Wie wird man mit Wirtschaftspsychologie Marktforscherin oder Marktforscher?

Wirtschaftspsychologie und Marktforschung gehören für viele Hochschulen zusammen: 80 von 123 erfassten Kernstudiengängen führen Markt-, Konsum- oder Medienforschung als Berufsfeld auf, wie eine Zählung von wirtschaftspsychologie.com zeigt (Stand Oktober 2026). Das BERUFENET der Bundesagentur für Arbeit zählt Wirtschaftspsychologie zu den Studienfächern, die den Zugang zum Beruf Marktforscherin oder Marktforscher ermöglichen können. Eine Jobzusage ist mit den Hochschulangaben nicht verbunden.

Das Wichtigste in Kürze

  • 80 von 123 Kernstudiengängen mit Berufsfeldangabe nennen Markt-, Konsum- oder Medienforschung als Berufsfeld, 93 Marketing, Werbung oder Kommunikation (Stand Oktober 2026).
  • Im Bachelor nennen 52 von 65 Studiengängen die Marktforschung als Berufsfeld, im Master 26 von 55.
  • Laut BERUFENET kann neben einem Studium der Markt- und Kommunikationsforschung auch ein Studium der Wirtschaftspsychologie den Zugang zum Beruf ermöglichen; Führungs- und Spezialaufgaben erfordern meist einen Master.
  • Im Studium steckt die Marktforschung in Bausteinen: 70 von 115 erfassten Modullisten nennen Markt-, Konsum- oder Werbepsychologie, 19 ein eigenes Marktforschungsmodul (Untergrenze).
  • Die Branche hat sich Standesregeln gegeben: Nach der Deutschen Erklärung zum ICC/ESOMAR-Kodex dürfen Daten nur anonymisiert an Auftraggeber gehen, und Forschung ist von Direktmarketing und Verkaufsförderung zu trennen.

Was Marktforscherinnen und Marktforscher tun

Marktforscherinnen und Marktforscher führen laut BERUFENET Markt- und Wettbewerbsanalysen durch. Mit den Ergebnissen beraten sie zum Beispiel Hersteller von Konsumgütern, die ein neues Produkt auf den Markt bringen, ihr Sortiment ändern oder Marktanteile hinzugewinnen wollen. Eine Studie folgt dabei einer Kette von Schritten. Die Tabelle ordnet die Aufgaben, die das BERUFENET nennt, den Modulen zu, die Kernstudiengänge in ihrer erfassten Modulauswahl führen.

SchrittAufgaben laut BERUFENETModul im Studium (von 115 Modullisten)
1 Frage klärenFragestellungen entwickeln; Informationen zu Markt, Zielgruppen und Unternehmen recherchierenMarkt-, Konsum- oder Werbepsychologie: 70
2 Studie planenpassende Methoden wählen; vorhandene Daten nutzen oder eigene Erhebungen planen; Zielgruppen definierenForschungsmethoden, Empirie: 59
3 Daten erhebenFragebögen, Gesprächsleitfäden und Befragungstechniken konzipieren; den Einsatz von Interviewerinnen und Interviewern organisieren und sie einweisenDiagnostik, Testtheorie, Fragebogen: 60
4 AuswertenRückläufe erfassen; Qualitäts- und Plausibilitätskontrollen; Daten gewichten, codieren und auswertenStatistik, Datenanalyse: 38
5 BerichtenErgebnisse in Tabellen und Grafiken aufbereiten; Berichte und Präsentationen erstellen; Handlungsempfehlungen gebennicht gesondert gezählt
Aufgaben nach BERUFENET (Marktforscher/in); Module aus der erfassten Modulauswahl der Kernstudiengänge, Mehrfachnennung, Untergrenze; Zuordnung durch wirtschaftspsychologie.com. Stand Oktober 2026.

Ein eigenes Modul zur Marktforschung, etwa zu Marktanalyse, Konsumenten- oder Werbewirkungsforschung, nennen 19 der 115 Modullisten, Fragebogen- oder Testkonstruktion steht in 8 Modullisten ausdrücklich im Modulnamen. Die übrigen Schritte decken Module ab, die auch anderen Zwecken dienen: Forschungsmethoden und Statistik braucht man ebenso für eine Mitarbeiterbefragung. Welche Verfahren es in der Marktforschung gibt, von der Befragung bis zur Beobachtung, erklärt der Glossareintrag Marktforschung; wie viel Statistik auf dem Plan steht, zeigt der Ratgeber Statistik im Wirtschaftspsychologie-Studium.

Zum Beruf gehören laut BERUFENET auch Leitungsaufgaben: Personal auswählen, anleiten und weiterbilden, Verhandlungen mit Kundschaft und Lieferanten führen, Angebote und Budgets erstellen und die eigenen Marktforschungsleistungen vermarkten. In Forschung und Lehre arbeiten Marktforscherinnen und Marktforscher an Forschungsprojekten mit, halten Lehrveranstaltungen und verfassen Forschungsberichte.

Marktforschung lernt man in BausteinenMarktforschung lernt man inBausteinenModule je Schritt einer Studie, 115Kernstudiengänge, Stand Oktober 20261 Frage: Markt-, Konsum-, Werbepsychologie702 Planen: Forschungsmethoden, Empirie593 Messen: Diagnostik, Test, Fragebogen604 Auswerten: Statistik, Datenanalyse38Marktforschung als eigenes Modul19Untergrenze: erfasst ist nur eineModulauswahl.
Abb.: Kernstudiengänge der Wirtschaftspsychologie, deren erfasste Modulauswahl ein Modul zum jeweiligen Schritt einer Marktforschungsstudie nennt (n = 115, Mehrfachnennung, Untergrenze; Zuordnung der Module zu den Schritten durch wirtschaftspsychologie.com). Quelle: Recherche wirtschaftspsychologie.com nach Modulangaben der Hochschulen, Stand Oktober 2026.

Balkendiagramm: In der erfassten Modulauswahl von 115 Kernstudiengängen der Wirtschaftspsychologie nennen 70 ein Modul zur Markt-, Konsum- oder Werbepsychologie, 59 ein Modul zu Forschungsmethoden, 60 ein Modul zu Diagnostik, Testtheorie oder Fragebogen und 38 ein Statistikmodul. Marktforschung als eigenes Modul nennen 19. Untergrenze, weil nur eine Auswahl erfasst ist. Quelle: Recherche wirtschaftspsychologie.com, Stand Oktober 2026.

Wo Marktforschung stattfindet

Als Arbeitsbereiche nennt das BERUFENET Marktforschungsunternehmen und Unternehmensberatungen, für Wirtschaftspsychologinnen und Wirtschaftspsychologen außerdem Agenturen für Kommunikation, Werbung und PR sowie die Markt- und Meinungsforschung. Der Berufsverband Deutscher Markt- und Sozialforscher (BVM) beschreibt das Feld breiter: Markt- und Sozialforschung findet im betrieblichen Umfeld statt, im Verlags- und Agenturbereich, in kommerziellen und öffentlichen Instituten und in Hochschulinstituten, angestellt oder freiberuflich. Freiberuflich Tätige beraten nach Angaben des Verbands etwa Unternehmen, die keine eigene Marktforschungsabteilung haben.

Unter den Einsatzmöglichkeiten führt das BERUFENET neben der Meinungsforschung und dem Research-Management auch UX-Research auf. In den Hochschulangaben zeigt sich eine ähnliche Spannweite: Von den 80 Studiengängen mit dem Berufsfeld Markt-, Konsum- oder Medienforschung nennen 53 ausdrücklich die Marktforschung, 21 Konsumentenforschung, Konsumentenpsychologie, Kundenverhalten oder Consumer Insights, 8 Werbepsychologie, Werbewirkung oder Werbegestaltung, 6 die Medienforschung und 6 die Meinungsforschung.

Was das Wirtschaftspsychologie-Studium für die Marktforschung bietet

Markt-, Konsum- oder Medienforschung nennen 80 von 123 Kernstudiengängen mit Berufsfeldangabe, an 54 von 74 Hochschulen und Anbietern; Marketing, Werbung oder Kommunikation nennen 93, beide Felder zusammen 70. Die Zählweise entspricht dem Ratgeber Was macht man mit Wirtschaftspsychologie?. Im Bachelor ist das Feld häufiger vertreten als im Master: 52 von 65 Studiengängen gegenüber 26 von 55.

In den erfassten Modullisten nennen 70 von 115 Kernstudiengängen ein Modul zur Markt-, Konsum- oder Werbepsychologie, im Bachelor 48 von 62, im Master 17 von 46. Einen Schwerpunkt mit Markt-, Konsum- oder Werbebezug oder mit Marktforschung nennen 63 von 118 Schwerpunktangaben. Weil im Verzeichnis nur eine Auswahl der Module und Schwerpunkte erfasst ist, sind das Untergrenzen.

Zur Veranschaulichung zwei Bachelorstudiengänge aus dem Verzeichnis, ausgewählt ohne Wertung und nicht abschließend (laut Angaben der Hochschulen, Stand Oktober 2026): Der Bachelor BWL/Konsumentenpsychologie und Marktforschung der Hochschule Pforzheim nennt als Methoden unter anderem Fragebogendesign, qualitative Forschung sowie psychologisches Interview- und Moderationstraining; ein integriertes Praxissemester im fünften Semester soll laut Hochschule Einblick in die Arbeitswelt von Marktforschungsinstituten und Unternehmen geben. Die Hochschule Heilbronn nennt für den Bachelor Betriebswirtschaft, Marketingmanagement und Konsumentenpsychologie Methoden der Markt- und Konsumentenforschung mit Test- und Fragebogenkonstruktion, Datenanalyse und Eye-Tracking sowie ein Praxissemester im fünften Semester.

Bachelor oder Master?

Laut BERUFENET führt der Weg in den Beruf in der Regel über ein grundständiges Studium der Markt- und Kommunikationsforschung; den Zugang ermöglichen kann auch ein Studium etwa der Wirtschaftspsychologie, der Politik-, Sozial- oder Kommunikationswissenschaft oder der Statistik. Führungspositionen und spezialisierte Aufgaben erfordern meist ein Masterstudium. Der BVM nennt neben dem Studium einen zweiten Weg: Seit August 2006 gibt es den staatlich anerkannten Ausbildungsberuf Fachangestellte oder Fachangestellter für Markt- und Sozialforschung.

Werbeforschung: Werbewirkung, Eye-Tracking, Neuromarketing

Ein Teil der Marktforschung untersucht Werbung, etwa ob eine Anzeige oder ein Spot wahrgenommen, erinnert und verstanden wird. In den Modullisten heißen die passenden Module zum Beispiel Markt- und Werbepsychologie, Konsumentenpsychologie oder Werbewirkungsforschung. Neben Befragungen und Experimenten kommen dabei apparative Verfahren zum Einsatz, etwa das Eye-Tracking, das Blickbewegungen aufzeichnet, und Ansätze des Neuromarketing, die Messverfahren der Neurowissenschaft nutzen. Mehr zu beiden Verfahren steht in den Glossareinträgen.

Werbetests erfassen etwa Wahrnehmung, Erinnerung oder Einstellung; dass eine Kampagne den Absatz steigert, ist damit noch nicht belegt. Welche Methode welche Stufe der Werbewirkung erfasst und wie ein Pretest aufgebaut ist, beschreibt der Ratgeber Werbewirkung messen.

Was für Befragungen gilt: Datenschutzrecht und Standesregeln

Wer Menschen befragt, beobachtet oder aufzeichnet, verarbeitet in aller Regel personenbezogene Daten, also Angaben zu einer identifizierten oder identifizierbaren Person (Art. 4 Nr. 1 DSGVO). Die Datenschutz-Grundverordnung erlaubt das nur, wenn mindestens einer der sechs Tatbestände in Art. 6 Abs. 1 DSGVO vorliegt, etwa eine Einwilligung der betroffenen Person. Strengere Regeln gelten nach Art. 9 DSGVO für besondere Kategorien wie Gesundheitsdaten, politische Meinungen oder religiöse Überzeugungen; hier braucht es zum Beispiel eine ausdrückliche Einwilligung (Stand Oktober 2026).

Dazu kommen Regeln, die sich die Branche selbst gegeben hat. Die vier deutschen Verbände ADM, ASI, BVM und DGOF haben den ICC/ESOMAR Internationalen Kodex zur Markt-, Meinungs- und Sozialforschung sowie zur Datenanalytik in der Ausgabe 2025 angenommen und in einer Deutschen Erklärung vom 23. Februar 2026 drei Grundsätze festgehalten. Untersuchungen müssen mit angemessenen Methoden empirischer Forschung durchgeführt werden (Wissenschaftlichkeitsgebot). Was bei einer Studie erhoben wird, darf an Auftraggeber und andere Dritte nur so gehen, dass sich die Teilnehmenden daraus weder erkennen noch identifizieren lassen (Anonymisierungsgebot); daran ändert nach der Erklärung auch eine Einwilligung der Befragten nichts. Personenbezogen weitergeben dürfen Forschungsinstitute solche Daten nur untereinander, ausschließlich zu wissenschaftlichen Zwecken, mit vertraglicher Regelung und mit Einwilligung der Betroffenen. Und Forschung muss von anderen Tätigkeiten getrennt sein, ausdrücklich von Direktmarketing und Verkaufsförderung (Trennungsgebot). Konkretisiert werden Kodex und Erklärung durch Richtlinien der Verbände, etwa für telefonische Befragungen, Online-Befragungen, Aufzeichnungen und Beobachtungen sowie die Befragung von Minderjährigen. Auch diese Richtlinien gehören zur Selbstregulierung der Branche und sind keine Gesetze.

Über die Einhaltung wacht der Rat der Deutschen Markt- und Sozialforschung, der 2001 als verbandsübergreifende Beschwerdestelle gegründet wurde und von den vier Verbänden getragen wird. Bei Verstößen kann die zuständige Kammer je nach Schwere einen Hinweis geben oder eine Missbilligung oder Rüge aussprechen; Rügen macht der Rat unter Nennung des Beschwerdegegners öffentlich. Rechtsstand und Stand der Standesregeln: Oktober 2026; dieser Ratgeber ersetzt keine Rechtsberatung.

Einstieg: Praxissemester, Praktikum, eigene Studie

Ein Praxissemester nennen 27 von 66 Bachelor-Kernstudiengängen im Verzeichnis (Stand Oktober 2026); in den beiden Beispielen aus Pforzheim und Heilbronn liegt es im fünften Semester. Ein Praktikum in einem Marktforschungsinstitut, in der betrieblichen Marktforschung eines Unternehmens oder in einer Agentur zeigt, wie Studien im Alltag ablaufen. Was zu Pflicht, Dauer und Einsatzbereichen gilt, steht im Ratgeber Praktikum in der Wirtschaftspsychologie.

Wer für die Abschlussarbeit selbst eine Befragung durchführt, geht die Schritte einer Studie im Kleinen durch: Frage klären, Fragebogen bauen, Teilnehmende gewinnen, auswerten und berichten. Hinweise zu Aufbau, Skalen und Pretest gibt der Ratgeber Fragebogen für die Abschlussarbeit.

Häufige Fragen

Kann man mit Wirtschaftspsychologie in der Marktforschung arbeiten?

Das BERUFENET nennt Wirtschaftspsychologie unter den Studienfächern, die den Zugang zum Beruf Marktforscherin oder Marktforscher ermöglichen können, neben Markt- und Kommunikationsforschung, Sozial- und Kommunikationswissenschaft oder Statistik. 80 von 123 Kernstudiengängen nennen Markt-, Konsum- oder Medienforschung als Berufsfeld (Stand Oktober 2026).

Was macht eine Marktforscherin oder ein Marktforscher?

Laut BERUFENET entwickeln Marktforscherinnen und Marktforscher Fragestellungen, wählen Methoden, planen Umfragen und koordinieren den Einsatz von Interviewerinnen und Interviewern. Nach der Erhebung werten sie die Daten aus, interpretieren sie und bereiten die Ergebnisse für Präsentationen und Berichte auf, bis hin zu Handlungsempfehlungen.

Braucht man für die Marktforschung einen Master?

Nicht zwingend. Laut BERUFENET braucht es in der Regel ein abgeschlossenes grundständiges Studium; erst Führungs- und Spezialaufgaben erfordern meist ein Masterstudium. Die Hochschulen nennen die Marktforschung im Bachelor häufiger als im Master: 52 von 65 gegenüber 26 von 55 Kernstudiengängen (Stand Oktober 2026).

Welche Regeln gelten für Befragungen in der Marktforschung?

Für personenbezogene Daten gilt die Datenschutz-Grundverordnung; die Verarbeitung braucht eine Rechtsgrundlage nach Art. 6 Abs. 1 DSGVO, etwa eine Einwilligung, für Gesundheitsdaten oder politische Meinungen zusätzlich nach Art. 9. Dazu kommen Standesregeln: Nach der Deutschen Erklärung zum ICC/ESOMAR-Kodex gehen Daten nur anonymisiert an Auftraggeber, und Forschung ist von Direktmarketing und Verkaufsförderung zu trennen. Rechtsstand und Stand der Standesregeln: Oktober 2026.

Quellen

  1. BERUFENET der Bundesagentur für Arbeit: Marktforscher/in
  2. BERUFENET der Bundesagentur für Arbeit: Wirtschaftspsychologe/-psychologin
  3. BVM Berufsverband Deutscher Markt- und Sozialforscher: Berufsbild und Arbeitsgebiete
  4. Erklärung für das Gebiet der Bundesrepublik Deutschland zum ICC/ESOMAR Internationaler Kodex zur Markt-, Meinungs- und Sozialforschung sowie zur Datenanalytik („Deutsche Erklärung“), Berlin, 23.02.2026
  5. Rat der Deutschen Markt- und Sozialforschung e.V.: Der Rat (Aufbau, Aufgaben, Satzung)
  6. Die Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit: DSGVO – BDSG. Texte und Erläuterungen (Stand März 2026), Art. 6 DSGVO
  7. Hochschule Pforzheim: BWL/Konsumentenpsychologie und Marktforschung (B.Sc.)
  8. Hochschule Heilbronn: Betriebswirtschaft, Marketingmanagement und Konsumentenpsychologie (B.A.)
  9. Rat der Deutschen Markt- und Sozialforschung: Branchenkodex, ICC/ESOMAR Internationaler Kodex, Richtlinien der deutschen Branchenverbände (Übersicht, Stand Oktober 2026)

Stand: Oktober 2026.