Organisationsentwicklung

Auch: OE, Organization Development, OD

Organisationsentwicklung ist geplanter Wandel einer Organisation, an dem die Betroffenen beteiligt werden und der mit sozialwissenschaftlichen Methoden vorbereitet und ausgewertet wird. Kern ist ein Kreislauf aus Erkunden, Planen, Handeln und Auswerten nach Kurt Lewins Aktionsforschung.

Organisationsentwicklung (OE) bezeichnet geplanten Wandel in Organisationen, an dem die Betroffenen beteiligt werden und der mit sozialwissenschaftlichen Methoden vorbereitet, begleitet und ausgewertet wird. Der englische Fachbegriff lautet Organization Development (OD). OE kann Abläufe, Zusammenarbeit, Führung und Leitbilder betreffen. Für die Wirtschaftspsychologie ist sie ein Arbeitsfeld, in dem Wissen über Gruppen, Motivation und Einstellungen praktisch angewandt wird.

Herkunft: Kurt Lewin und die Aktionsforschung

Als Wurzel der Organisationsentwicklung gilt die Aktionsforschung des Sozialpsychologen Kurt Lewin. Er beschrieb sie 1946 als Kreislauf aus Planung, Handlung und der Erkundung der Ergebnisse dieser Handlung; was dabei herauskommt, geht in die nächste Planung ein. Forschung, die nur Bücher hervorbringt, reichte Lewin nicht: Sie sollte sozialen Wandel unterstützen. Die Aktionsforschung bezieht die Betroffenen aktiv in die Forschung ein.

Ein Befund aus den Führungstrainings der 1940er-Jahre zeigt, warum OE bei der Organisation ansetzt statt allein bei Einzelnen. Meister, die sich im Training deutlich verändert hatten, fielen nach der Rückkehr an den Arbeitsplatz in ihre alten Einstellungen zurück. Erklärt wurde das mit den Normen der Arbeitsgruppe, die schon die Studien beschrieben hatten, auf die der Hawthorne-Effekt zurückgeht.

Lewins Werk wird oft auf ein Dreischrittmodell verkürzt: Auftauen, Verändern, Einfrieren. Cummings u. a. (2016) kommen nach einem Vergleich mit Lewins Texten zu dem Schluss, dass er ein solches Modell nicht ausgearbeitet hat; es nahm erst nach seinem Tod Gestalt an. Lewins Beitrag umfasst neben der Aktionsforschung die Feldtheorie und die Gruppendynamik.

Ablauf und Interventionen der Organisationsentwicklung

In der Praxis folgt OE dem Kreislauf der Aktionsforschung. Am Anfang steht die Erkundung der Lage, etwa durch Interviews oder eine Mitarbeiterbefragung. Die Ergebnisse werden mit den Beteiligten besprochen, gemeinsam werden Maßnahmen geplant und umgesetzt. Danach wird erhoben, was sich verändert hat, und der Kreislauf beginnt neu. Die Maßnahmen setzen auf verschiedenen Ebenen an:

  • Person: Führungstrainings
  • Gruppe: Teamentwicklung
  • Organisation: Mitarbeiterbefragungen, Leitbildentwicklung, Arbeitsgestaltung

Die Fachleute arbeiten dabei meist als Prozessbegleitung oder Moderation: Sie gestalten den Ablauf, die Lösungen erarbeiten die Beteiligten. Vom Change-Management lässt sich OE nach ihrer Haltung unterscheiden. Laut Cummings u. a. (2016) wurde der OE vorgeworfen, sich zu sehr an humanistischen und demokratischen Werten zu orientieren und Strategie, Technik und Betriebsabläufe auszublenden. Change-Management entstand als stärker betriebswirtschaftlich ausgerichteter Gegenentwurf.

Kreislauf der AktionsforschungKreislauf der AktionsforschungGrundmuster der Organisationsentwicklung1 ErkundenLage erheben,z. B. Befragung4 AuswertenWirkungerheben,neu planen2 PlanenMaßnahmen mitBeteiligten3 HandelnMaßnahmenumsetzenLewin 1946Planung, Handlung, Erkundungder Ergebnisse, dann von vorn
Abb.: Organisationsentwicklung als Kreislauf aus Erkunden, Planen, Handeln und Auswerten mit den Beteiligten. Quelle: Lewin 1946, Action Research and Minority Problems, Stand Oktober 2026.

Kreislauf mit vier Schritten: 1 Erkunden der Lage, etwa durch Befragung oder Interviews. 2 Planen gemeinsam mit den Beteiligten. 3 Handeln, also Maßnahmen umsetzen. 4 Auswerten, was sich verändert hat. Danach beginnt der Kreislauf wieder mit dem Erkunden. Darunter die Beschreibung von Kurt Lewin 1946: Planung, Handlung und Erkundung der Ergebnisse.

Im Studium der Wirtschaftspsychologie

Organisationsentwicklung oder Change Management nennen 43 von 95 erfassten Anbietern laut Recherche, Stand Oktober 2026, in Studiengangsnamen, Schwerpunkten oder Modullisten, den Begriff Organisationsentwicklung selbst 22 von 95. Ein Arbeitsgruppenbericht im Auftrag der Fachgruppe Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie der Deutschen Gesellschaft für Psychologie zählt Organisationsberatung und Organisationsentwicklung 2016 zu den vier Arbeitsfeldern des Fachs. Seminar- und Klausurthemen sind etwa:

  • den Kreislauf der Aktionsforschung an einem Fall beschreiben
  • Maßnahmen einer Ebene zuordnen und ihre Auswahl begründen
  • eine Evaluation planen: Was wird vorher und nachher gemessen, und woran wäre eine Veränderung zu erkennen?
  • die Rolle der Organisationskultur bei Veränderungen erklären

In der Praxis: Beteiligung und Mitbestimmung

Beteiligung ist in der OE ein Grundsatz; in Betrieben mit Betriebsrat ist sie zum Teil auch rechtlich geregelt. Der Arbeitgeber hat den Betriebsrat über die Planung von Arbeitsverfahren und Arbeitsabläufen einschließlich des Einsatzes von Künstlicher Intelligenz sowie über die Planung der Arbeitsplätze rechtzeitig zu unterrichten und die vorgesehenen Maßnahmen und ihre Auswirkungen auf die Beschäftigten mit ihm zu beraten (§ 90 BetrVG). In Unternehmen mit in der Regel mehr als zwanzig wahlberechtigten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern hat der Unternehmer den Betriebsrat über geplante Betriebsänderungen, die wesentliche Nachteile für die Belegschaft oder erhebliche Teile davon zur Folge haben können, rechtzeitig und umfassend zu unterrichten und sie mit ihm zu beraten. Als solche Betriebsänderungen gelten unter anderem grundlegende Änderungen der Betriebsorganisation und die Einführung grundlegend neuer Arbeitsmethoden (§ 111 Satz 3 Nr. 4 und 5 BetrVG). Liegt einer der im Gesetz aufgezählten Fälle vor, ist nach der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts nicht mehr gesondert zu prüfen, ob wesentliche Nachteile drohen; sie werden dann unterstellt (Urteil vom 9. November 2010, 1 AZR 708/09). Ob ein Vorhaben darunter fällt, ist im Einzelfall zu prüfen. Je nach Maßnahme können weitere Beteiligungsrechte hinzukommen, etwa die Zustimmung zu Personalfragebogen (§ 94 BetrVG) oder die Mitbestimmung bei der Durchführung betrieblicher Bildungsmaßnahmen (§ 98 BetrVG). In Dienststellen des Bundes bestimmt der Personalrat unter anderem bei der Gestaltung der Arbeitsplätze und der Einführung grundlegend neuer Arbeitsmethoden mit, soweit keine gesetzliche oder tarifliche Regelung besteht (§ 80 Abs. 1 Nr. 4 und 20 BPersVG); für Länder und Kommunen gelten die Personalvertretungsgesetze der Länder. Rechtsstand: Oktober 2026.

Verwandte Begriffe

Quellen

Stand der Angaben: Oktober 2026

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