Die Arbeits- und Organisationspsychologie, kurz A&O-Psychologie, untersucht das Erleben und Verhalten von Menschen bei der Arbeit und in Organisationen. Sie ist ein Anwendungsfach der Psychologie und eng mit der Wirtschaftspsychologie verbunden: Die zuständige Fachgruppe der Deutschen Gesellschaft für Psychologie (DGPs) führt beide im Namen, als Fachgruppe Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie. Lehrbücher gliedern das Fach häufig in drei Teilgebiete: Arbeits-, Organisations- und Personalpsychologie. Im Englischen sind die Bezeichnungen Work and Organizational Psychology, so im Namen der europäischen Fachgesellschaft EAWOP, und Industrial and Organizational Psychology gebräuchlich. Dieser Eintrag ordnet die Teilgebiete und verweist auf die Einzelbegriffe im Glossar.
Herkunft der Arbeits- und Organisationspsychologie
Als ein Ausgangspunkt gilt Hugo Münsterberg. Er veröffentlichte 1912 „Psychologie und Wirtschaftsleben“ und 1913 das darauf aufbauende englische Buch „Psychology and Industrial Efficiency“. Darin wollte er eine neue Wissenschaft zwischen Laborpsychologie und Wirtschaft umreißen. Das Buch von 1913 hat drei Teile: die Auswahl geeigneter Personen, psychologisch günstige Arbeitsbedingungen und die Beeinflussung im Markt.
Es entstand in der Zeit des Taylorismus, der Arbeitsabläufe nach Zeit- und Bewegungsstudien vereinheitlichte. Kritische Stimmen warfen dieser Bewegung vor, Persönlichkeit, Motivation und Zufriedenheit der Arbeitenden zu übergehen. Personalauswahl und Arbeitsbedingungen sind bis heute Kernthemen des Fachs.
Die Organisationspsychologie löste sich nach einer Darstellung von Edgar H. Schein in den 1950er- und 1960er-Jahren aus der älteren Industriepsychologie. Sie befasste sich stärker mit Einheiten, die größer sind als die einzelne Arbeitsgruppe, und brauchte dafür Begriffe wie System, Norm und später Kultur. Gewachsen ist sie mit den betriebswirtschaftlichen Fakultäten und Business Schools.
Drei Teilgebiete im Überblick
| Teilgebiet | Gegenstand | Einträge im Glossar |
|---|---|---|
| Arbeitspsychologie | Tätigkeit, Arbeitsbedingungen, Belastung und Gestaltung der Arbeit | Arbeitsgestaltung, Arbeitszufriedenheit, Job-Characteristics-Modell |
| Organisationspsychologie | Gruppen, Führung, Kultur und Wandel in Organisationen | Organisationskultur, Organisationsentwicklung, Führungsstile |
| Personalpsychologie | Auswahl, Beurteilung und Entwicklung von Personen | Eignungsdiagnostik, Assessment-Center, Personalentwicklung |
Quer zu den Teilgebieten liegen Motivationstheorien, etwa die Zwei-Faktoren-Theorie, und die Methodenlehre, die alle drei für Befragungen, Tests und Evaluationen brauchen.
Drei Karten. Arbeitspsychologie mit dem Gegenstand Tätigkeit und Arbeitsbedingungen, Einträge Arbeitsgestaltung und Arbeitszufriedenheit. Organisationspsychologie mit Gruppen, Kultur und Wandel, Einträge Organisationskultur und Organisationsentwicklung. Personalpsychologie mit Auswahl und Entwicklung von Personen, Einträge Eignungsdiagnostik und Assessment-Center. Darunter die vier Arbeitsfelder laut DGPs-Fachgruppe 2016.
Abgrenzung zur Wirtschaftspsychologie
Wirtschaftspsychologie ist weiter gefasst. Neben Arbeit, Organisation und Personal umfasst sie die Markt-, Werbe- und Konsumentenpsychologie. Dieser Bereich war schon bei Münsterberg der dritte Teil, und der DGPs-Bericht führt ihn als Arbeitsfeld Marketing und Marktforschung. Im Glossar gehören dazu etwa die Einträge Konsumentenverhalten und Marktforschung. Welche Seite in einem Studiengang der Wirtschaftspsychologie überwiegt, zeigen seine Schwerpunkte und Wahlmodule.
Im Studium der Wirtschaftspsychologie
Fächer der Arbeits- und Organisationspsychologie nennen 76 von 95 erfassten Anbietern laut Recherche, Stand Oktober 2026, in Studiengangsnamen, Schwerpunkten oder Modullisten. Das sind mehr als bei Methoden und Statistik mit 69 von 95. Häufige Bezeichnungen in diesen Angaben sind „Arbeits- und Organisationspsychologie“, „Organisationspsychologie“, „Arbeitspsychologie“, „Arbeits- und Gesundheitspsychologie“ sowie „Personal- und Organisationspsychologie“. Ein Arbeitsgruppenbericht der DGPs-Fachgruppe von 2016 beschreibt vier Arbeitsfelder: Personal und Beruf; Arbeit, Gesundheit und Prävention; Organisationsberatung und Organisationsentwicklung; Marketing und Marktforschung. Leitbild ist das Scientist-Practitioner-Modell: Fachleute sollen zugleich wissenschaftlich und praktisch arbeiten können. Der Bericht bezieht sich auf Studiengänge der Psychologie; Studiengänge der Wirtschaftspsychologie setzen eigene Schwerpunkte.
In der Praxis: Arbeitsschutz, Personal, Wandel
Ein Praxisfeld mit gesetzlicher Grundlage ist die Gefährdungsbeurteilung. Der Arbeitgeber hat durch eine Beurteilung der mit der Arbeit verbundenen Gefährdung zu ermitteln, welche Maßnahmen des Arbeitsschutzes erforderlich sind; eine Gefährdung kann sich ausdrücklich auch aus psychischen Belastungen bei der Arbeit ergeben (§ 5 Abs. 1 und Abs. 3 Nr. 6 ArbSchG, Stand Oktober 2026). Beurteilt wird je nach Art der Tätigkeit; sind die Bedingungen gleichartig, reicht nach Absatz 2 ein einzelner Arbeitsplatz oder eine Tätigkeit als Grundlage.
Weitere Tätigkeiten nennt der DGPs-Bericht in seinem Anhang, darunter Mitarbeiterbefragungen, Teamentwicklung, Führungstrainings, Arbeitsgestaltung, Change Management und Laufbahnberatung. Viele dieser Themen haben einen eigenen Eintrag im Glossar.