Emotionale Intelligenz

Auch: EI, EQ, Emotional Intelligence, Fähigkeitsmodell der emotionalen Intelligenz, Trait-EI

Emotionale Intelligenz bezeichnet die Fähigkeit, Gefühle bei sich und anderen wahrzunehmen, zu verstehen und zu regulieren und sie beim Denken und Handeln zu nutzen. Umstritten ist, wie weit sie sich von Intelligenz und Persönlichkeitsmerkmalen unterscheidet.

Emotionale Intelligenz (EI) bezeichnet die Fähigkeit, Gefühle bei sich und anderen wahrzunehmen, zu verstehen und zu regulieren und sie beim Denken und Handeln zu nutzen. Als psychologisches Konstrukt geht sie auf eine einflussreiche Arbeit von Peter Salovey und John D. Mayer (1990) zurück; einem breiten Publikum bekannt wurde sie durch das Buch von Daniel Goleman (1995). In der Wirtschaftspsychologie begegnet emotionale Intelligenz in der Persönlichkeitspsychologie, in der Personalauswahl und in der Führungskräfteentwicklung, meist zusammen mit der Frage, ob sie mehr erfasst als Intelligenz und Persönlichkeit.

Grundlagen: Fähigkeitsmodell und Mischmodelle

Salovey und Mayer (1990) beschrieben emotionale Intelligenz als Bündel von Fähigkeiten: Gefühle bei sich und anderen zutreffend einschätzen und ausdrücken, sie bei sich und anderen wirksam regulieren und Gefühle nutzen, um zu planen und Ziele zu erreichen. Daraus entstand das Fähigkeitsmodell mit vier Bereichen, den sogenannten Zweigen: Emotionen wahrnehmen, sie zum Denken nutzen, sie verstehen und sie regulieren.

Neben diesem Ansatz unterscheidet die Übersicht von O’Connor u. a. (2019) zwei weitere Richtungen, die sich vor allem in der Messung trennen:

AnsatzMessungWas erfasst wird
FähigkeitsmodellLeistungstest mit richtigen und falschen AntwortenWissen und Können im Umgang mit Emotionen
Trait-EISelbstberichttypisches Verhalten in emotionalen Situationen, selbst eingeschätzte Fähigkeiten
MischmodelleSelbstbericht, teils Fremdeinschätzung im 360-Grad-VerfahrenMischung aus Eigenschaften, sozialen Fertigkeiten und Kompetenzen, oft mit Bezug zum Beruf

Golemans Ansatz gehört zu den Mischmodellen. Er betont emotionale Kompetenzen, die sich nach diesem Verständnis entwickeln lassen sollen.

Zwei Lesarten von EIZwei Lesarten von EIFähigkeit oder Mischung aus MerkmalenFähigkeitsmodellMischmodelleKernvier ZweigeEmotion plusPersönlichkeitMessungLeistungstestSelbst- oderFremdberichtNahe anIntelligenz (0,80)Big FiveMischmodelle und Arbeitsleistungohne Kontrolle:ρ = 0,29mit Kontrolle:β = −0,02
Abb.: Fähigkeitsmodell und Mischmodelle der emotionalen Intelligenz im Vergleich. Quelle: O’Connor u. a. 2019; MacCann u. a. 2014; Joseph u. a. 2015, Stand Oktober 2026.

Vergleich in zwei Spalten. Fähigkeitsmodell: Kern sind vier Zweige, Emotionen wahrnehmen, nutzen, verstehen und regulieren; gemessen mit Leistungstests; nahe an der Intelligenz, Ladung 0,80 auf den Generalfaktor. Mischmodelle: Emotionen plus Persönlichkeitseigenschaften und Fertigkeiten; gemessen per Selbst- oder Fremdbericht; nahe an den Big Five. Darunter ein Hinweis: Mischmodell-EI korreliert mit Arbeitsleistung zu 0,29, nach Kontrolle von Persönlichkeit, Intelligenz und weiteren Merkmalen bleibt kein Zusammenhang.

Messung und Rechte an Testverfahren

Ein verbreitetes Verfahren zum Fähigkeitsmodell ist der MSCEIT® (Mayer-Salovey-Caruso Emotional Intelligence Test). Er erfasst die vier Zweige über Aufgaben, für die es als richtig bewertete Antworten gibt. Der Test ist urheberrechtlich geschützt und wird kommerziell vertrieben, sein Name ist nach Angabe des Testverlags als Marke eingetragen; Aufgaben werden hier deshalb nicht wiedergegeben. O’Connor u. a. (2019) nennen auch frei verfügbare Fragebogen und Tests.

Forschungsstand und Kritik: Was misst emotionale Intelligenz zusätzlich?

Der Streit dreht sich um die Abgrenzung zu bekannten Merkmalen. In einer Studie mit 688 Studierenden passte unter anderem ein Modell, in dem die Fähigkeits-EI ein Teilfaktor der allgemeinen Intelligenz ist; ihre Ladung auf den Generalfaktor betrug 0,80 (MacCann u. a. 2014). Fähigkeits-EI liegt damit nahe an der Intelligenz.

Für Mischmodelle kam eine Metaanalyse von Joseph u. a. (2015) auf eine Korrelation von ρ = 0,29 mit der von Vorgesetzten eingeschätzten Arbeitsleistung. Der Inhalt der Fragebogen überschnitt sich jedoch stark mit Fähigkeits-EI, Selbstwirksamkeit, selbst eingeschätzter Leistung, Gewissenhaftigkeit, emotionaler Stabilität, Extraversion und allgemeiner Intelligenz. Wurden diese Merkmale statistisch kontrolliert, blieb kein Zusammenhang mit der Leistung (β = −0,02).

Mit Leistungen in Schule und Studium hängt EI laut einer Metaanalyse von MacCann u. a. (2020) mit 42.529 Personen zusammen (ρ = 0,20), bei Fähigkeits-EI etwas stärker als bei Selbstberichten. Nach Kontrolle von Intelligenz und den Big Five erklärte EI nur noch einen kleinen Teil zusätzlich. Ob EI die Leistung beeinflusst oder umgekehrt, belegen die Daten nach Angabe der Autorinnen und Autoren nicht.

Emotionale Intelligenz im Studium der Wirtschaftspsychologie

Persönlichkeits- oder Differentielle Psychologie findet sich bei 34 von 95 erfassten Anbietern laut Recherche, Stand Oktober 2026, in Studiengangsnamen, Schwerpunkten oder Modullisten, der Begriff emotionale Intelligenz selbst bei 2 von 95. Dort geht es typischerweise um Fragen wie diese:

  • Fähigkeitsmodell, Trait-EI und Mischmodelle unterscheiden und je ein Messverfahren zuordnen
  • die Frage der inkrementellen Validität erklären: Was sagt EI über Leistung, wenn Intelligenz und Persönlichkeit schon bekannt sind?
  • Korrelationen aus Metaanalysen lesen, ohne sie als Wirkung zu deuten

In der Praxis tauchen EI-Verfahren in Auswahl und Entwicklung auf. Für die Eignungsdiagnostik zählt dabei, was ein Verfahren über Intelligenz- und Persönlichkeitsmaße hinaus vorhersagt; nach dem beschriebenen Forschungsstand ist das bei Mischmodellen kaum der Fall, und auch bei Fähigkeits-EI fiel der Zusatznutzen für Schul- und Studienleistungen gering aus (MacCann u. a. 2020).

Verwandte Begriffe

Quellen

Stand der Angaben: Oktober 2026

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