Die Big Five, auch Fünf-Faktoren-Modell genannt, beschreiben Persönlichkeit mit fünf breiten Dimensionen: Extraversion, Verträglichkeit, Gewissenhaftigkeit, Neurotizismus und Offenheit für Erfahrungen. Jede Person liegt auf jeder Dimension irgendwo zwischen zwei Polen. Das Modell teilt Menschen also nicht in Typen ein, sondern beschreibt Ausprägungen. Unter jeder Dimension stehen engere Facetten.
Herkunft der Big Five: Sprache, Faktorenanalyse, Fragebogen
Ausgangspunkt war die Annahme, dass sich wichtige Persönlichkeitsunterschiede in der Alltagssprache niederschlagen. Goldberg verweist auf Cattell, der rund 45 Jahre vor ihm mit englischen Eigenschaftswörtern eine Beschreibung der Persönlichkeit begonnen hatte. Forschende ließen Personen mit solchen Wörtern beschreiben und werteten die Urteile mit der Faktorenanalyse aus. Tupes und Christal beschrieben in Einschätzungen zu 35 Eigenschaften aus acht Stichproben fünf wiederkehrende Faktoren (Journal of Personality, 1992). Goldberg (1990) zeigte die Fünf-Faktoren-Struktur an umfangreichen Wortlisten, darunter 1.431 Eigenschaftswörter in 75 Gruppen; in Selbst- und Fremdurteilen ließ sich kein sechster Faktor über die Stichproben hinweg verallgemeinern. McCrae und John (1992) fassten das Modell als hierarchische Ordnung von Eigenschaften zusammen, gestützt auf Wortlisten und Fragebogen über Beurteilende und Kulturen hinweg.
Die Namen der Dimensionen haben sich gewandelt:
| Dimension | Bezeichnung bei Tupes und Christal | deutsche Fassung des BFI-2 |
|---|---|---|
| Extraversion | Surgency | Extraversion |
| Verträglichkeit | Agreeableness | Verträglichkeit |
| Gewissenhaftigkeit | Dependability | Gewissenhaftigkeit |
| Neurotizismus | Emotional Stability (Gegenpol) | Negative Emotionalität |
| Offenheit | Culture | Offenheit |
Gemessen werden die Big Five mit Fragebogen. Das Big Five Inventory 2 (BFI-2) von Soto und John (2017) ordnet 15 Facetten den fünf Bereichen zu und kontrolliert Zustimmungstendenzen. Die deutsche Fassung von Danner u. a. (2016) ist in der Sammlung ZIS des GESIS dokumentiert; sie darf für nicht-kommerzielle Forschung kostenfrei genutzt werden, andere Zwecke und veränderte Fassungen brauchen das Einverständnis der Autorinnen und Autoren. Arbeiten, die das Instrument nutzen, müssen die ZIS-Dokumentation als Quelle nennen. Testverlage vertreiben daneben kommerzielle Persönlichkeitsfragebogen nach eigenen Lizenzbedingungen.
Big Five im Studium der Wirtschaftspsychologie
Persönlichkeits- oder Differentielle Psychologie nennen 34 von 95 erfassten Anbietern laut Recherche, Stand Oktober 2026, in Studiengangsnamen, Schwerpunkten oder Modullisten; den Begriff Big Five selbst nennt dort keiner. Klausur- und Seminarfragen betreffen etwa diese Punkte:
- Namen, Pole und Facetten der fünf Dimensionen
- lexikalischer Ansatz und Faktorenanalyse als Weg zum Modell
- Unterschied zwischen Dimensions- und Typenmodellen, etwa im Vergleich mit Verfahren aus dem Eintrag Persönlichkeitstest
- Messqualität von Fragebogen und Antworttendenzen wie soziale Erwünschtheit
In der Praxis: Personalauswahl und Arbeitszufriedenheit
Für die Personalauswahl liegen Metaanalysen vor. Salgado (1997) wertete Studien aus der Europäischen Gemeinschaft aus: Gewissenhaftigkeit und emotionale Stabilität sagten Berufskriterien über Berufsgruppen hinweg vorher, die übrigen Dimensionen nur für einzelne Kriterien oder Berufe. Wilmot und Ones (2019) fassten 92 Metaanalysen mit mehr als 1,1 Millionen Teilnehmenden zusammen. Über 175 berufliche Variablen lag der mittlere Zusammenhang der Gewissenhaftigkeit bei ρ = 0,20. Typisch sind danach zielgerichtete Leistungsmotivation, Ausdauer und Zurückhaltung gegenüber kontraproduktivem Verhalten; in sehr komplexen Berufen fiel der Zusammenhang mit der Leistung schwächer aus.
Bewerbende können ihre Antworten in Fragebogen geschönt darstellen. Barrick und Mount (1996) fanden in zwei Stichproben von Bewerbenden für den Lkw-Fernverkehr (147 und 139 Personen) solche Verzerrungen, die Vorhersagekraft von Gewissenhaftigkeit und emotionaler Stabilität sank dadurch aber nicht. Für die Arbeitszufriedenheit berechneten Judge, Heller und Mount (2002) aus 163 Stichproben korrigierte Korrelationen von −0,29 für Neurotizismus bis 0,26 für Gewissenhaftigkeit, für Offenheit lag der Wert bei 0,02; nur die Werte für Neurotizismus und Extraversion ließen sich über die Studien hinweg verallgemeinern. Solche Werte beschreiben Durchschnitte über viele Studien; für eine einzelne Person sagen sie wenig voraus. Wer Persönlichkeitsfragebogen in Bewerbungsverfahren einsetzt, bewegt sich im Rahmen von AGG und Datenschutzrecht; dazu der Eintrag Eignungsdiagnostik.
Balkendiagramm mit den korrigierten Korrelationen der fünf Dimensionen mit der Arbeitszufriedenheit nach Judge, Heller und Mount 2002: Neurotizismus minus 0,29, Gewissenhaftigkeit 0,26, Extraversion 0,25, Verträglichkeit 0,17, Offenheit 0,02. Darunter der Hinweis, dass sich nur die Werte für Neurotizismus und Extraversion über die Studien verallgemeinern ließen und dass die Werte Durchschnitte beschreiben.
Abgrenzung und offene Fragen
Die Big Five sind ein Beschreibungsmodell. Woher die Faktoren stammen und wie sie wirken, nannten McCrae und John (1992) als offene Aufgabe für die Theoriebildung. Kurzskalen erfassen die Dimensionen nur grob: Das BFI-10 (Rammstedt u. a. 2014), ebenfalls in ZIS dokumentiert und unter denselben Nutzungsbedingungen, ist nach seiner Dokumentation für eine grobe Messung bei volljährigen Befragten aus der deutschsprachigen Allgemeinbevölkerung gedacht.