Bedürfnispyramide (Maslow)

Auch: Maslowsche Bedürfnispyramide, Bedürfnishierarchie, Hierarchy of Needs

Die Bedürfnispyramide stellt Abraham H. Maslows Theorie von 1943 dar, nach der menschliche Bedürfnisse in fünf Gruppen geordnet sind, von körperlichen Grundbedürfnissen bis zur Selbstverwirklichung. Die Pyramidenform stammt nicht von Maslow.

Die maslowsche Bedürfnispyramide ordnet menschliche Bedürfnisse in fünf Gruppen, von körperlichen Grundbedürfnissen bis zur Selbstverwirklichung. Sie geht auf den Aufsatz „A Theory of Human Motivation“ zurück, den Abraham H. Maslow 1943 in der Zeitschrift Psychological Review veröffentlichte. Die Pyramide selbst zeichnete Maslow nicht; sie kam erst später in der Managementliteratur auf. In der Lehre zu Motivation und Führung gehört sie zu den ersten Modellen, die Studierende kennenlernen. Die empirische Forschung stützt die strenge Stufenfolge allerdings kaum.

Grundlagen: Maslows Theorie von 1943

Maslow unterscheidet fünf Gruppen von Grundbedürfnissen:

  • physiologische Bedürfnisse wie Hunger und Schlaf
  • Sicherheitsbedürfnisse
  • Bedürfnisse nach Liebe, Zuneigung und Zugehörigkeit
  • Bedürfnisse nach Wertschätzung, also nach Selbstachtung und nach Achtung durch andere
  • das Bedürfnis nach Selbstverwirklichung, also danach, das zu tun, wofür man geeignet ist

Die Gruppen bilden bei Maslow eine Hierarchie relativer Vorrangigkeit: Ist ein Bedürfnis weitgehend befriedigt, tritt das nächsthöhere hervor. Ein befriedigtes Bedürfnis motiviert nach Maslow nicht mehr. Er betonte aber selbst, die Rangfolge sei weniger starr, als seine Darstellung nahelege. Er nannte Ausnahmen, etwa Menschen, denen Selbstachtung wichtiger ist als Liebe. Die meisten Menschen seien in allen Bereichen zugleich teilweise befriedigt und teilweise unbefriedigt, und ein neues Bedürfnis trete allmählich hervor, nicht sprunghaft.

Wie die maslowsche Bedürfnispyramide entstand

Im Aufsatz von 1943 gibt es keine Grafik. Bridgman u. a. (2019) sind der Herkunft der Pyramide nachgegangen. Die vermutlich erste veröffentlichte Pyramide erschien 1960 in einem Aufsatz in der Zeitschrift Business Horizons. Er empfahl Führungskräften, mit dem Schema die Bedürfnisse ihrer Beschäftigten einzuschätzen und die Vergütung danach auszurichten. Bis in die 1980er-Jahre wurde die Theorie häufig auch als Leiter dargestellt; danach setzte sich die Pyramide durch.

Bridgman u. a. halten fest, dass Maslow keine Pyramide entworfen hat. Wenn überhaupt eine geometrische Form, dann passe eine Leiter besser, weil Menschen nach Maslow mehrere Bedürfnisse zugleich teilweise befriedigen. Sie nennen außerdem zwei verbreitete Einwände: Die Pyramide lege nahe, dass alle Menschen in allen Gesellschaften dieselben Bedürfnisse in derselben Reihenfolge verfolgen, und der Theorie werde ein elitäres, individualistisches Bild von Management vorgeworfen.

Empirische Prüfung und Forschungsstand

Die Rangfolge wurde vor allem in den 1960er- und 1970er-Jahren geprüft. Wahba und Bridwell (1976) werteten nach der Darstellung von Bridgman u. a. zehn Studien aus und hielten die Theorie für kaum prüfbar, weil Maslows Begriffe zu unscharf seien. Insgesamt fand die Theorie nach der Darstellung von Bridgman u. a. in empirischen Studien wenig Bestätigung; schon frühe Prüfungen in den 1960er-Jahren fielen enttäuschend aus.

Für einen Zusammenhang zwischen erfüllten Bedürfnissen und Wohlbefinden spricht dagegen eine weltweite Studie. Tay und Diener (2011) untersuchten mit Daten aus 123 Ländern grundlegende, soziale und weitere Bedürfnisse. Ihre Erfüllung hing in allen Weltregionen mit subjektivem Wohlbefinden zusammen, und zwar weitgehend unabhängig davon, ob andere Bedürfnisse bereits erfüllt waren. Die Reihenfolge, in der psychosoziale Bedürfnisse erfüllt waren, ähnelte sich über die Länder; ob grundlegende Bedürfnisse und Sicherheit erfüllt waren, hing dagegen vom Land ab. Die Studie beschreibt Zusammenhänge, keine Ursachen. Sie spricht für die Bedeutung der Bedürfnisse selbst, nicht für ihre strenge Reihenfolge.

Ganz aufgegeben ist die Idee einer Hierarchie nicht. Kenrick u. a. (2010) halten die Grundstruktur für erhaltenswert und schlagen eine Neufassung vor, die Motive in der Evolutionstheorie verankert und stärker an Bedrohungen und Gelegenheiten der jeweiligen Situation bindet.

Maslows Stufen im TestMaslows Stufen im TestTheorie 1943, erste Pyramide wohl 1960SelbstverwirklichungWertschätzungLiebe und ZugehörigkeitSicherheitphysiologische BedürfnisseMaslow zeichnete keine PyramideGestütztErfüllung undWohlbefindenhängen zusammen123 Länder (2011)Nicht gestütztfeste StufenfolgeMaslow nannteselbst Ausnahmen
Abb.: Die fünf Bedürfnisgruppen nach Maslow als gleich breite Stufen statt als Pyramide und der Forschungsstand zur Rangfolge. Quelle: Maslow 1943; Bridgman u. a. 2019; Tay und Diener 2011, Stand Oktober 2026.

Fünf gleich breite Stufen von unten nach oben: physiologische Bedürfnisse, Sicherheit, Liebe und Zugehörigkeit, Wertschätzung, Selbstverwirklichung. Hinweis: Maslow zeichnete keine Pyramide, die vermutlich erste erschien 1960. Darunter zwei Karten zum Forschungsstand: Gestützt wird ein Zusammenhang zwischen erfüllten Bedürfnissen und Wohlbefinden in 123 Ländern. Nicht gestützt wird eine feste Stufenfolge; Maslow nannte selbst Ausnahmen.

Im Studium und in der Praxis

Maslow ist Stoff von Modulen zu Motivation, Führung und Arbeits- und Organisationspsychologie. Den Begriff Motivation führen 15 von 95 erfassten Anbietern laut Recherche, Stand Oktober 2026, in Studiengangsnamen, Schwerpunkten oder Modullisten, die Arbeits- und Organisationspsychologie 76 von 95. Typische Aufgaben:

  • die fünf Bedürfnisgruppen benennen und die Idee der Vorrangigkeit erklären
  • Maslow mit der Zwei-Faktoren-Theorie und der Selbstbestimmungstheorie vergleichen
  • zwischen Maslows Text von 1943 und der späteren Grafik unterscheiden
  • die empirische Kritik an der festen Rangfolge darstellen

In der Praxis dient das Modell als Raster, um Erwartungen von Beschäftigten zu ordnen, etwa bei Fragen der Arbeitszufriedenheit oder bei Anreizsystemen. Für Entscheidungen im Einzelfall taugt es nur begrenzt, weil Bedürfnisse nebeneinander wirken und die Reihenfolge von Person zu Person abweichen kann. In Abschlussarbeiten ist es korrekt, die Theorie mit Maslow (1943) zu belegen und die Pyramide als spätere Darstellung zu kennzeichnen.

Verwandte Begriffe

Quellen

Stand der Angaben: Oktober 2026

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