Burnout im Arbeitskontext

Auch: Burn-out, Burnout-Syndrom, Ausgebranntsein

Burnout bezeichnet in der Arbeits- und Organisationspsychologie ein Syndrom aus Erschöpfung, innerer Distanz zur Arbeit und dem Gefühl geringer Wirksamkeit. Die ICD-11 der WHO führt es unter QD85 als Phänomen im beruflichen Kontext, außerhalb des Kapitels zu psychischen Störungen.

Burnout ist in der Arbeits- und Organisationspsychologie die Bezeichnung für ein Syndrom, das mit anhaltenden Belastungen im Beruf in Verbindung gebracht wird. Maslach, Schaufeli und Leiter (2001) beschreiben Burnout als länger andauernde Reaktion auf chronische emotionale und zwischenmenschliche Stressoren bei der Arbeit, gekennzeichnet durch Erschöpfung, Zynismus und das Gefühl, wenig zu bewirken. Ihre Übersicht bündelt nach eigenen Angaben 25 Jahre Forschung und betont, dass Burnout eng an den Arbeitsbereich gebunden ist. Dieser Eintrag ordnet den Begriff für Studium und Arbeitsschutz ein; er enthält keine Diagnose-, Test- oder Behandlungshinweise.

Burnout in ICD-11 und ICD-10-GM

In der ICD-11, der internationalen Klassifikation der Weltgesundheitsorganisation (WHO), steht Burnout unter dem Code QD85 (Version 2026-01). Der Eintrag gehört zum Kapitel 24 über Faktoren, die den Gesundheitszustand beeinflussen oder zur Inanspruchnahme des Gesundheitswesens führen, dort zu den Problemen im Zusammenhang mit Beschäftigung oder Arbeitslosigkeit. Dieses Kapitel ist nach seiner Beschreibung für Umstände vorgesehen, die keine anderswo klassifizierbare Krankheit oder Verletzung sind; als Krankheit oder psychische Störung ist Burnout in der ICD-11 also nicht eingeordnet. Die WHO fasst Burnout als Syndrom auf, das aus chronischem Stress am Arbeitsplatz hervorgeht, der nicht erfolgreich bewältigt wurde. Drei Dimensionen kennzeichnen es:

  • Gefühle von Energieverlust oder Erschöpfung,
  • wachsende innere Distanz zur eigenen Arbeit oder eine negative, zynische Haltung ihr gegenüber,
  • das Gefühl, wenig auszurichten und wenig zu leisten.

Die WHO beschränkt den Begriff ausdrücklich auf Phänomene im beruflichen Kontext; für Erfahrungen in anderen Lebensbereichen soll er nicht verwendet werden. Ausgeschlossen sind unter anderem Angststörungen, affektive Störungen und Anpassungsstörungen, die im Kapitel 06 zu psychischen Störungen, Verhaltensstörungen oder neuromentalen Entwicklungsstörungen stehen. In Deutschland wird für Krankheitsdiagnosen noch nicht mit der ICD-11 kodiert: Nach Angaben des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) bleibt bis zu ihrer Einführung die ICD-10-GM die amtliche Klassifikation. In deren Version 2026 erscheint Ausgebranntsein als Inklusivum unter Z73, Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung (Stand Oktober 2026).

Burnout in der ICD-11Burnout in der ICD-11Code QD85, Version 2026-011ErschöpfungGefühl von Energieverlust2Distanz zur ArbeitNegativismus, Zynismus3Geringe WirksamkeitGefühl, wenig zu leistenEinordnungKapitel 24:Faktoren, keine Krankheitnicht Kapitel 06:psychische Störungennur für den ArbeitskontextDeutschland:weiter ICD-10-GM, Z73
Abb.: Drei Dimensionen von Burnout und seine Einordnung in die ICD-11 und die ICD-10-GM; die Darstellung beschreibt die Klassifikation und ist keine Grundlage für eine Selbsteinschätzung. Quelle: WHO, ICD-11 (Version 2026-01); BfArM, ICD-10-GM Version 2026, Stand Oktober 2026.

Drei nummerierte Karten zeigen die Dimensionen von Burnout nach ICD-11: Erschöpfung, Distanz zur Arbeit und geringe Wirksamkeit. Ein Kasten darunter ordnet ein: Burnout steht im Kapitel 24 über Faktoren, die den Gesundheitszustand beeinflussen, also nicht unter den Krankheiten, und nicht im Kapitel 06 über psychische Störungen, gilt nur für den Arbeitskontext, und in Deutschland gilt weiter die ICD-10-GM mit Z73.

Im Studium der Wirtschaftspsychologie

Fächer zu Gesundheit, etwa Arbeits- und Gesundheitspsychologie oder betriebliches Gesundheitsmanagement, nennen 40 von 95 erfassten Anbietern laut Recherche, Stand Oktober 2026, in Studiengangsnamen, Schwerpunkten oder Modullisten. Als eigener Modulname taucht Burnout dort nicht auf. Behandelt wird das Thema in der Arbeits- und Gesundheitspsychologie, häufig zusammen mit dem transaktionalen Stressmodell und dem Job-Demands-Resources-Modell, in dem Burnout im Mittelpunkt des gesundheitsbeeinträchtigenden Prozesses steht. Klausur- und Methodenfragen zielen etwa auf diese Punkte:

  • die drei Dimensionen nennen und die Einordnung in ICD-11 und ICD-10-GM erklären
  • Burnout vom positiven Gegenpol Work-Engagement abgrenzen
  • Zusammenhang und Ursache auseinanderhalten: Was Querschnittsdaten über Burnout aussagen können und was nicht

In der Praxis: Burnout als Thema des Arbeitsschutzes

Im Betrieb setzt der Arbeitsschutz bei den Arbeitsbedingungen an, nicht bei der Frage, ob jemand ausgebrannt ist. Nach § 5 ArbSchG ermittelt der Arbeitgeber durch eine Beurteilung der Gefährdungen, welche Maßnahmen nötig sind; Absatz 3 Nr. 6 nennt psychische Belastungen bei der Arbeit ausdrücklich als mögliche Ursache einer Gefährdung. Für die Maßnahmen gilt nach § 4 Nr. 5 ArbSchG, dass individuelle Schutzmaßnahmen nachrangig zu anderen Maßnahmen sind. Im Vordergrund stehen deshalb Merkmale der Arbeit wie Arbeitsintensität, Arbeitszeit, Handlungsspielraum und soziale Beziehungen; Angebote für einzelne Beschäftigte kommen danach (Rechtsstand Oktober 2026). Wie Belastung und Beanspruchung begrifflich getrennt werden, beschreibt der Eintrag psychische Belastung und Beanspruchung.

Burnout ist dabei kein Befund, den Vorgesetzte, Kolleginnen und Kollegen oder Fragebögen im Betrieb feststellen. Ob anhaltende Erschöpfung oder andere Beschwerden gesundheitlich bedeutsam sind, klären Ärztinnen und Ärzte oder Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten.

Abgrenzung und Forschungsstand

Ob Burnout ein eigenständiges Konstrukt ist oder sich weitgehend mit Depression deckt, ist in der Forschung umstritten. Eine Metaanalyse von Koutsimani u. a. (2019) über 69 Studien fand einen deutlichen Zusammenhang zwischen Burnout und Depression (r = 0,52), in 36 Studien auch zwischen Burnout und Angst (r = 0,46). In Studien mit dem Maslach Burnout Inventory und in Studien besserer Qualität fielen die Zusammenhänge geringer aus. Die Autorinnen und Autoren sehen keine eindeutige Überschneidung und werten Burnout und Depression als verschiedene Konstrukte. Sie empfehlen mehr Längsschnittstudien, um Ursache-Wirkungs-Beziehungen zwischen diesen Größen zu prüfen.

Verwandte Begriffe

Quellen

Stand der Angaben: Oktober 2026

Alle Begriffe im Glossar Wirtschaftspsychologie