Qualitative Forschung und quantitative Forschung sind zwei Logiken empirischer Forschung. Qualitative Forschung will Erfahrungen, Sichtweisen und Abläufe in ihrem Zusammenhang verstehen und arbeitet mit Interviews, Beobachtungen oder Dokumenten. Quantitative Forschung misst Merkmale in Zahlen und prüft Hypothesen mit statistischen Verfahren. In der Wirtschaftspsychologie werden beide genutzt, in Personal, Markt und Organisation oft in Kombination.
Grundlagen: zwei Forschungslogiken
Nach Moser und Korstjens (2017) zielt qualitative Forschung auf vertiefte Einsichten in Probleme der realen Welt. Anders als quantitative Forschung führt sie keine Behandlungen ein und manipuliert oder quantifiziert keine vorab festgelegten Variablen. Sie untersucht Phänomene im natürlichen Umfeld und fragt nach Bedeutungen, die Menschen ihren Erfahrungen geben. Das Vorgehen bleibt offen: Datenerhebung und Auswertung wechseln sich ab und beeinflussen sich. Quantitative Forschung legt dagegen vorab fest, was gemessen wird, leitet aus einer Theorie eine Hypothese ab und prüft sie an standardisierten Daten. Die Autorinnen ordnen qualitative Forschung einem konstruktivistischen Verständnis zu, quantitative einem positivistischen.
| Merkmal | qualitativ | quantitativ |
|---|---|---|
| Ziel | verstehen, Hypothesen entwickeln | messen, Hypothesen prüfen |
| Vorgehen | offen, schrittweise angepasst | vorab festgelegt, standardisiert |
| Auswahl | gezielt, klein, bis zur Sättigung | groß, möglichst zufällig |
| Daten und Auswertung | Texte, Bilder, Beobachtungen; Kategorien | Zahlen; statistische Kennwerte und Tests |
Vergleichstabelle qualitativer und quantitativer Forschung. Ziel: verstehen gegenüber messen und prüfen. Auswahl: gezielt und klein gegenüber groß und oft zufällig. Daten: Text, Bild, Ton gegenüber Zahlen. Gütekriterien: etwa Glaubwürdigkeit gegenüber Reliabilität. Beispieldaten zum Thema Arbeitszufriedenheit: In 11 von 12 Interviews kommt Autonomie vor; in einer Befragung von 200 Personen liegt die mittlere Zufriedenheit bei 3,7 auf einer Skala von 1 bis 5.
Qualitative Forschung: Auswahl, Auswertung, Güte
Moser und Korstjens (2018) zählen zu den Merkmalen qualitativer Auswahlpläne: Teilnehmende werden immer gezielt ausgewählt, die Stichprobe ist klein, und sie entwickelt sich während der Studie. Üblich sind unter anderem zweckgerichtete, kriteriengeleitete, theoretische, Gelegenheits- und Schneeballauswahl. Erhoben wird, bis die Daten gesättigt sind, also bis neue Interviews keine neuen Erkenntnisse für die Auswertung mehr bringen. In quantitativen Studien steht der Umfang der Stichprobe dagegen vorab fest.
Erhoben wird vor allem mit Interviews, Gruppendiskussionen und Beobachtungen. Das qualitative Interview soll erfassen, welche Bedeutung zentrale Themen für die Befragten haben. Die Auswertung beginnt mit dem Lesen der Abschriften, mit Notizen und ersten Codes; diese werden zu Kategorien oder Themen geordnet und schließlich gedeutet. Je nach Ansatz, etwa Inhaltsanalyse oder Grounded Theory, unterscheiden sich die Schritte im Detail.
Auch die Gütekriterien unterscheiden sich. Für quantitative Studien gelten die klassischen Gütekriterien Objektivität, Reliabilität und Validität. Für qualitative Studien nennen Korstjens und Moser (2018) als bekannteste Kriterien die von Lincoln und Guba: Glaubwürdigkeit, Übertragbarkeit, Zuverlässigkeit im Sinne nachvollziehbarer Abläufe und Bestätigbarkeit. Hinzu kommt Reflexivität, also das Offenlegen der eigenen Rolle und Vorannahmen.
Mixed Methods: qualitative und quantitative Forschung verbinden
Fetters, Curry und Creswell (2013) unterscheiden drei Grundformen:
- explorativ-sequenziell: erst qualitativ, dann quantitativ; Interviews liefern Begriffe, die anschließend in einer Befragung gemessen werden
- erklärend-sequenziell: erst quantitativ, dann qualitativ; Interviews vertiefen auffällige Ergebnisse einer Befragung
- konvergent: beide Datenarten werden im selben Zeitraum erhoben und ihre Ergebnisse verglichen
Ein Beispiel aus der Personalarbeit: Eine Mitarbeiterbefragung zeigt niedrige Werte in einem Bereich, Gespräche mit Beschäftigten klären danach die Gründe. Das wäre ein erklärend-sequenzielles Design.
Im Studium der Wirtschaftspsychologie
Beide Logiken gehören zur Methodenausbildung. Ausgewiesen sind Methoden- und Statistikfächer bei 69 von 95 erfassten Anbietern laut Recherche, Stand Oktober 2026, in Studiengangsnamen, Schwerpunkten oder Modullisten; die Wörter qualitativ, quantitativ oder Mixed Methods kommen dort bei 19 von 95 vor. Den Aufbau der Methodenmodule zeigt der Ratgeber Statistik im Studium. In Abschlussarbeiten kommen etwa leitfadengestützte Interviews oder eine standardisierte Befragung in Frage. Begründet wird die Wahl mit der Forschungsfrage: Wer wissen will, wie Beschäftigte eine Veränderung erleben, fragt qualitativ; wer prüfen will, ob zwei Gruppen sich unterscheiden, quantitativ.