Coaching, im Unternehmen auch Business Coaching genannt, ist eine zeitlich begrenzte Beratung, in der eine Person oder ein Team an beruflichen Zielen arbeitet, begleitet von einem Coach. Anlässe sind etwa eine neue Führungsrolle, Konflikte im Team oder eine anstehende Veränderung. Im Mittelpunkt stehen Reflexion und Klärung. Coaching richtet sich an Menschen ohne Störung mit Krankheitswert und ist keine Behandlung psychischer Störungen.
Grundlagen: Business Coaching und seine Abgrenzung
Eine einheitliche Definition gibt es nicht. Eine systematische Übersicht von Grover und Furnham (2016) nennt wiederkehrende Merkmale der vielen Definitionen: eine systematische Eins-zu-eins-Beziehung, eine nichtklinische Zielgruppe, Lernen, Verhaltensänderung, Selbstwahrnehmung und Leistung. Im Organisationskontext sind Bezeichnungen wie Business, Executive oder Leadership Coaching üblich. Die Tabelle grenzt Coaching von verwandten Formaten ab:
| Format | Worum es geht | Rahmen |
|---|---|---|
| Coaching | eigene berufliche Ziele klären und verfolgen | Beratung auf Zeit zu Zielen der beratenen Person |
| Training | festgelegte Fähigkeiten lernen und üben | Inhalte und Lernziele sind vorgegeben |
| Mentoring | Orientierung durch eine erfahrene Person | Weitergabe eigener Erfahrung, innerhalb oder außerhalb der Organisation |
| Psychotherapie | Feststellung, Heilung oder Linderung von Störungen mit Krankheitswert | Heilkunde, nur mit staatlicher Erlaubnis |
Die Grenze zur Heilkunde
Die Abgrenzung zur Psychotherapie ist rechtlich bestimmt. Psychotherapie im Sinne des § 1 Abs. 2 PsychThG ist jede berufs- oder geschäftsmäßige Tätigkeit mit wissenschaftlich geprüften und anerkannten Verfahren oder Methoden der Psychotherapie zur Feststellung, Heilung oder Linderung von Störungen mit Krankheitswert, bei denen Psychotherapie angezeigt ist. Tätigkeiten, die nur die Aufarbeitung oder Überwindung sozialer Konflikte oder sonstige Zwecke außerhalb der Heilkunde zum Gegenstand haben, gehören ausdrücklich nicht dazu. Heilkunde ist nach § 1 Abs. 2 HeilprG jede berufs- oder gewerbsmäßige Tätigkeit zur Feststellung, Heilung oder Linderung von Krankheiten, Leiden oder Körperschäden bei Menschen. Wer sie ausüben will, ohne Arzt oder Ärztin zu sein, braucht eine Erlaubnis (§ 1 Abs. 1 HeilprG).
Für Coaching folgt daraus: Es bleibt bei beruflichen Zielen und Fragen der Zusammenarbeit. Gibt es im Gespräch Hinweise auf eine psychische Erkrankung, gehören Abklärung und gegebenenfalls Behandlung in ärztliche Hände oder zu Fachleuten für Psychotherapie; eine Erkrankung festzustellen, gehört bereits zur Heilkunde. Psychische Belastung bei der Arbeit ist ein Thema des Arbeitsschutzes, etwa der Gefährdungsbeurteilung nach § 5 Abs. 3 Nr. 6 ArbSchG, und kein Coachingauftrag mit Heilversprechen; dazu der Eintrag psychische Belastung und Beanspruchung. Rechtsstand: Oktober 2026.
Vergleich von Coaching und Psychotherapie in drei Merkmalen. Anlass: Coaching setzt an einem beruflichen Anliegen an, Psychotherapie an einer Störung mit Krankheitswert. Ziel: Coaching klärt und verfolgt berufliche Ziele, Psychotherapie dient der Feststellung, Heilung oder Linderung. Rahmen: Coaching ist Beratung außerhalb der Heilkunde, Psychotherapie ist Heilkunde und nur mit staatlicher Erlaubnis zulässig. Darunter der Hinweis: Gibt es Hinweise auf eine Erkrankung, sind Abklärung und Behandlung statt Coaching angezeigt.
Was die Forschung zu Coaching sagt
Die Studienlage ist positiv, aber dünn. Theeboom, Beersma und van Vianen (2014) fanden in einer Metaanalyse über 18 Studien Effekte zwischen g = 0,43 für Bewältigung und g = 0,74 für zielgerichtete Selbstregulation. Der Effekt auf Leistung und Fertigkeiten sank von 0,60 auf 0,19, als eine einzelne Studie herausgenommen wurde, und Vorher-nachher-Studien ohne Vergleichsgruppe zeigten größere Effekte als Studien mit Vergleichsgruppe.
Eine aktualisierte Metaanalyse von Cannon-Bowers u. a. (2023) sichtete 114 Arbeiten und nahm 11 auf. Über die Ergebnisse gemittelt lag der Effekt bei g = 0,44, also im mittleren Bereich. Keine der Studien maß Ergebnisse auf Ebene der Organisation, und die einzige Studie mit Urteilen unterstellter Mitarbeitender ergab keinen bedeutsamen Effekt. In der Übersicht von Grover und Furnham stützten sich 20 Studien allein auf Selbstauskünfte. Die Befunde sprechen damit für mittlere Effekte unter Studienbedingungen, nicht für Zusagen an einzelne Organisationen oder Personen.
Coaching im Studium der Wirtschaftspsychologie
Für 27 von 95 erfassten Anbietern laut Recherche, Stand Oktober 2026, ist das Wort Coaching in Studiengangsnamen, Schwerpunkten oder Modullisten belegt, etwa als Coaching und Beratung, Coaching und Personalentwicklung oder Psychologisches Coaching. Typische Prüfungsthemen:
- Abgrenzung von Coaching, Training, Mentoring, Supervision und Psychotherapie
- Ablauf eines Coachingprozesses von der Auftragsklärung bis zur Auswertung
- Evaluation: Selbstauskunft, Fremdurteil und Vergleichsgruppe
- Einbettung in die Personalentwicklung und die Arbeits- und Organisationspsychologie
Ein Studium mit Coaching-Schwerpunkt vermittelt Methoden; eine Erlaubnis zur Heilkunde ist damit nicht verbunden. Die Bezeichnung Coach selbst ist rechtlich nicht geschützt und steht für kein festes Berufsbild.