Teamentwicklung hat zwei Bedeutungen: die Entwicklung, die eine Gruppe im Lauf ihrer Zusammenarbeit von selbst durchläuft, und gezielte Maßnahmen, die Zusammenarbeit und Leistung eines Teams verbessern sollen. Für die Wirtschaftspsychologie verbindet der Begriff die Gruppenforschung der Sozialpsychologie mit der Personal- und Organisationsentwicklung.
Grundlagen: das Phasenmodell nach Tuckman
Das bekannteste Modell stammt von Bruce W. Tuckman. Er stellte 1965 auf Grundlage einer Literaturübersicht die Hypothese auf, dass kleine Gruppen vier Phasen durchlaufen; 1977 kam eine fünfte hinzu (Tuckman und Jensen 1977). In Kurzform, nach Tuckman (1965) und der Darstellung bei Wiese und Burke (2019):
- Forming: Die Mitglieder lernen sich kennen.
- Storming: In der Gruppe kommt es zu Konflikten und zu emotionalen Reaktionen auf die Anforderungen der Aufgabe; Wiese und Burke (2019) beschreiben die Phase als Beginn eines gemeinsamen Verständnisses der Aufgabe.
- Norming: Die Mitglieder entwickeln Normen dafür, wie die Aufgabe zu erledigen ist.
- Performing: Sie arbeiten an der eigentlichen Aufgabe.
- Adjourning: Die Gruppe löst sich auf; diese Phase ergänzten Tuckman und Jensen 1977.
Als Hypothese war das Modell 1977 kaum direkt geprüft. Tuckman und Jensen sichteten 22 Studien aus den zehn Jahren vor ihrer Übersicht; nur eine davon testete die Phasenfolge ausdrücklich, und sie empfahlen mehr empirische Arbeit. Ein Gegenmodell beschreibt Teamentwicklung nicht als feste Folge, sondern als Wechsel von Ruhe und Umbruch: Auf eine aktive Anfangsphase folgt eine Zeit der Trägheit, bis das Team etwa die Mitte seiner verfügbaren Zeit erreicht (Modell des unterbrochenen Gleichgewichts nach Gersick, dargestellt bei Wiese und Burke 2019).
Zeitleiste mit fünf Phasen: Forming, sich kennenlernen; Storming, Konflikte in der Gruppe; Norming, Normen für die Arbeit; Performing, Arbeit an der Aufgabe; Adjourning, Auflösung, ergänzt 1977. Darunter der Hinweis: Von 22 Studien prüfte nur eine die Phasenfolge direkt.
Maßnahmen der Teamentwicklung und ihr Belegstand
Lacerenza u. a. (2018) unterscheiden vier Arten von Maßnahmen, für die es empirische Belege gibt: Teamtraining, Führungstraining, Teambuilding und Team-Debriefing, also die gemeinsame Nachbesprechung von Einsätzen und Projekten. Untersucht wurden solche Maßnahmen unter anderem in Bildung, Gesundheitswesen, Militär und Luftfahrt.
Eine Metaanalyse von McEwan u. a. (2017) wertete 51 Arbeiten mit 72 Teamwork-Maßnahmen und 8.439 Teilnehmenden aus, alle mit Vergleichsgruppe. Die Maßnahmen gingen im Mittel mit besserer Zusammenarbeit (d = 0,68) und besserer Teamleistung (d = 0,92) einher. Die Ergebnisse unterschieden sich allerdings stark zwischen den Studien, und die meisten Studien zur Teamleistung stammten aus Laborexperimenten; aus Unternehmen gab es nur wenige. Wie gut sich die Werte auf ein bestimmtes Team übertragen lassen, ist deshalb offen. Die untersuchten Methoden reichten von Unterricht über Workshops und Simulationen bis zu regelmäßigen Nachbesprechungen im Arbeitsalltag.
Teamentwicklung im Studium der Wirtschaftspsychologie
Team- oder gruppenbezogene Module, etwa zu Teamarbeit, Teamführung oder Gruppendynamik, führen 14 von 95 erfassten Anbietern laut Recherche, Stand Oktober 2026, in Studiengangsnamen, Schwerpunkten oder Modullisten; Teamentwicklung ausdrücklich, auch in der Form Team- und Organisationsentwicklung, steht bei 5 von 95. Typische Aufgaben in Klausur und Seminar:
- die Phasen nach Tuckman beschreiben und ihren Belegstand einordnen
- Phasenmodell und Modell des unterbrochenen Gleichgewichts vergleichen
- eine Maßnahme einer der vier Arten zuordnen und eine Evaluation mit Vergleichsgruppe planen, die auch den Hawthorne-Effekt berücksichtigt
- die Rolle der psychologischen Sicherheit im Team erklären
- Effektstärken wie d = 0,68 lesen und begründen, warum stark streuende Ergebnisse vorsichtig zu deuten sind
In der Praxis: Gruppenarbeit und Mitbestimmung
Teamentwicklung ist oft Teil größerer Vorhaben der Organisationsentwicklung. Wird in einem Betrieb Gruppenarbeit eingeführt, hat der Betriebsrat bei den Grundsätzen ihrer Durchführung mitzubestimmen, soweit keine gesetzliche oder tarifliche Regelung besteht. Gruppenarbeit liegt im Sinne dieser Vorschrift vor, wenn im Rahmen des betrieblichen Arbeitsablaufs eine Gruppe von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern eine ihr übertragene Gesamtaufgabe im Wesentlichen eigenverantwortlich erledigt (§ 87 Abs. 1 Nr. 13 BetrVG, Rechtsstand Oktober 2026). Werden Teamtrainings als betriebliche Bildungsmaßnahmen durchgeführt, kann zudem das Mitbestimmungsrecht bei deren Durchführung greifen (§ 98 Abs. 1 und 6 BetrVG); ob das zutrifft, hängt vom Einzelfall ab.