Eine Stichprobe ist die Auswahl von Personen, Unternehmen oder anderen Fällen, die in einer Studie tatsächlich untersucht werden. Die Grundgesamtheit umfasst alle Fälle, über die eine Aussage getroffen werden soll, etwa alle Beschäftigten eines Konzerns oder alle Kundinnen und Kunden einer Marke. Von der Stichprobe auf die Grundgesamtheit zu schließen, ist die Aufgabe der schließenden Statistik. Ob dieser Schluss trägt, hängt zuerst davon ab, wie die Stichprobe gezogen wurde.
Grundlagen: Auswahlverfahren einer Stichprobe
| Verfahren | Auswahl | Bildet ab |
|---|---|---|
| Zufallsstichprobe | nach einem Zufallsverfahren aus einer Liste oder Fläche | die Grundgesamtheit, mit berechenbarer Fehlerspanne, solange Ausfälle die Auswahl nicht verzerren |
| Quotenstichprobe | bis vorgegebene Anteile, etwa nach Alter und Geschlecht, erreicht sind | die Grundgesamtheit nur in den Quotenmerkmalen |
| Gelegenheitsstichprobe | wer erreichbar ist, etwa über einen geteilten Online-Link | zunächst nur die befragte Gruppe |
Ein bekanntes Beispiel für eine Zufallsstichprobe ist der Mikrozensus. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts wird dafür jährlich rund 1 Prozent der Bevölkerung befragt. Gezogen werden nicht Personen, sondern kleine Flächen mit etwa 6 bis 12 Wohnungen, nach einem mathematisch-statistischen Zufallsverfahren. In den ausgewählten Haushalten besteht nach § 13 Mikrozensusgesetz in Verbindung mit § 15 Bundesstatistikgesetz Auskunftspflicht; einzelne Angaben sind nach § 13 Absatz 7 Mikrozensusgesetz freiwillig (Stand Oktober 2026).
Was „repräsentativ“ heißen kann
Repräsentativ ist kein Gütesiegel, sondern eine Aussage darüber, für wen und in welchen Merkmalen eine Stichprobe die Grundgesamtheit abbildet. Die Richtlinie für die Veröffentlichung von Ergebnissen der Markt- und Sozialforschung (Juni 2024, überarbeitet August 2025) zeigt das. Sie gehört zu den Standesregeln der Verbände ADM, ASI, BVM und DGOF und ist kein Gesetz. Danach sollten Veröffentlichungen unter anderem Grundgesamtheit, Stichprobengröße und die Methode der Stichprobenziehung möglichst vollständig nennen, etwa Zufallsstichprobe, Quotenstichprobe oder Vollerhebung, dazu die Verallgemeinerbarkeit und, wo methodisch gerechtfertigt, ein statistisches Fehlerintervall. Im Beispiel der Richtlinie bildet eine Quotenstichprobe die Bevölkerung nur hinsichtlich der Quotenmerkmale ab; Gruppendiskussionen werden als nicht repräsentativ gekennzeichnet.
Wer mit Umfrageergebnissen wirbt, unterliegt außerdem dem Verbot irreführender geschäftlicher Handlungen nach § 5 UWG (Stand Oktober 2026).
Stichprobengröße und Fehlerspanne
Bei einer Zufallsstichprobe lässt sich berechnen, wie genau ein Anteil geschätzt ist. Die Fehlerspanne schrumpft mit der Wurzel der Stichprobengröße: Eine viermal so große Stichprobe halbiert sie, wie das Schaubild zeigt. Eine größere Stichprobe verkleinert aber nur den Zufallsfehler. Eine verzerrte Auswahl, etwa nur besonders engagierte Beschäftigte, gleicht sie nicht aus. Für Gruppenvergleiche hängt die nötige Größe von der erwarteten Effektstärke, dem Signifikanzniveau und der gewünschten Teststärke ab; Cohen (1992) stellte dafür Tabellen für acht gängige Tests bei einer Teststärke von 0,80 zusammen.
Balkendiagramm: Fehlerspanne eines Anteils von 50 Prozent bei einfacher Zufallsstichprobe. Bei 100 Befragten plus minus 9,8 Prozentpunkte, bei 400 plus minus 4,9, bei 1.000 plus minus 3,1, bei 2.000 plus minus 2,2. Die vierfache Stichprobe halbiert die Spanne. Hinweis: Die Formel setzt eine Zufallsauswahl voraus; Verzerrungen durch die Auswahl verkleinert eine größere Stichprobe nicht.
Stichproben im Studium der Wirtschaftspsychologie
Die Ziehung von Stichproben lernt man in den Methodenfächern. Methoden oder Statistik finden sich bei 69 von 95 erfassten Anbietern laut Recherche, Stand Oktober 2026, in Studiengangsnamen, Schwerpunkten oder Modullisten; Marktforschung, wo Stichproben zum Alltag gehören, steht bei 24 von 95. Den Aufbau der Methodenmodule beschreibt der Ratgeber zur Statistik im Studium.
Wer für eine Abschlussarbeit im eigenen Umfeld oder über einen geteilten Link befragt, zieht eine Gelegenheitsstichprobe; die Ergebnisse gelten zunächst nur für diese Gruppe. Das betrifft auch die Forschung. Nach einer Übersicht von Henrich, Heine und Norenzayan (2010) schwanken Befunde zwischen Bevölkerungen erheblich, und Stichproben aus westlichen, gebildeten, industrialisierten, reichen und demokratischen Gesellschaften (WEIRD) sind oft Ausreißer. Hanel und Vione (2016) verglichen Studierende und Bevölkerung in 59 Ländern bei zwölf Persönlichkeits- und Einstellungsmerkmalen: Die Unterschiede waren teils erheblich und folgten keinem einheitlichen Muster. Der Schluss von Studierenden auf die Allgemeinheit kann bei solchen Merkmalen daher problematisch sein. Die Studie diskutiert ihre Befunde auch im Zusammenhang mit der Replikationskrise.