ESMT-Studie: Messproblem stellt Befunde zur Metawahrnehmung infrage

Meldung · Quelle: ESMT Berlin, 14.09.2026

Die European School of Management and Technology (ESMT Berlin) hat am 14. September 2026 eine Studie zur sogenannten Metawahrnehmung vorgestellt, also zur Einschätzung, wie andere das eigene Verhalten bewerten. Verfasst hat sie Rebecca Schaumberg von der ESMT gemeinsam mit einem Forscher der University of Pennsylvania. Die Arbeit ist im Journal of Experimental Psychology: General erschienen.

Frühere Studien kamen zu dem Ergebnis, dass Menschen systematisch unterschätzen, wie wohlwollend andere auf ihre Fehler oder guten Taten reagieren. Daraus wurden Empfehlungen abgeleitet, etwa häufiger zu loben, sich seltener zu entschuldigen oder Bitten selbstbewusster vorzubringen. Üblicherweise sagt in solchen Studien eine Gruppe die Reaktion anderer voraus, während eine zweite Gruppe angibt, wie sie selbst reagieren würde. Die Autoren zeigen in 13 Experimenten, dass beide Fragen unterschiedlichen sozialen Druck auf die Antwortenden ausüben. Sollten die Teilnehmenden ausdrücklich sehr höflich antworten, wuchs die scheinbare Verzerrung, bei der Vorgabe unhöflicher Antworten kehrte sie sich um. Auch Selbstauskünfte, die bislang als unverzerrter Vergleichsmaßstab galten, sind demnach sozial geprägt.

Die Autoren betonen, dass ihre Ergebnisse die bisherigen Befunde nicht endgültig widerlegen, deren Belege aber deutlich schwächen. Ebenso wenig sei gezeigt, dass Menschen die Sicht anderer zutreffend einschätzen. Sie sprechen sich für Studiendesigns aus, die Vorhersagen an beobachtbarem Verhalten prüfen statt an Selbstauskünften über Gefühle.

Für Methodenlehre und Forschung in der Wirtschaftspsychologie zeigt die Arbeit, wie Antwortdruck Ergebnisse von Befragungsexperimenten beeinflussen kann. Für Führung und Kommunikation betrifft sie Ratschläge, die auf den bisherigen Befunden aufbauen.

Originalmitteilung: ESMT Berlin, 14.09.2026: Mitteilung lesen (abgerufen 2026-10-22)