WSI: Betriebe mit Mitbestimmung beschäftigen öfter Schwerbehinderte

Meldung · Quelle: Hans-Böckler-Stiftung (WSI), 13.10.2026

Betriebe mit Betriebsrat und Schwerbehindertenvertretung (SBV) beschäftigen häufiger schwerbehinderte Menschen als Betriebe ohne Interessenvertretung. Das ist ein Ergebnis des WSI Policy Brief Nr. 103 des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung, den die Stiftung am 13. Oktober 2026 vorgestellt hat. Ausgewertet wurde die WSI-Betriebs- und Personalrätebefragung 2025 mit fast 4.000 Gremien, ergänzt um Daten der Bundesagentur für Arbeit (BA).

Arbeitgeber mit mindestens 20 Arbeitsplätzen müssen 5 Prozent davon mit schwerbehinderten Menschen besetzen, sonst fällt eine Ausgleichsabgabe an. Nach Angaben der befragten Gremien erfüllten 56 Prozent der gewinnorientierten Arbeitgeber, 69 Prozent der gemeinnützigen Betriebe und 74 Prozent der Dienststellen im öffentlichen Dienst diese Quote, etwas weniger als 2021. Nach Angaben der Betriebsräte haben 57 Prozent der nicht gemeinnützigen Betriebe eine SBV, bei den gemeinnützigen sind es 61 Prozent, in Dienststellen des öffentlichen Dienstes laut Personalräten 76 Prozent, jeweils etwas mehr als 2021. Nach BA-Daten beschäftigen 26 Prozent der beschäftigungspflichtigen Arbeitgeber in der Privatwirtschaft und 10 Prozent der öffentlichen Arbeitgeber keine schwerbehinderten Menschen. Von den schwerbehinderten und gleichgestellten Menschen im erwerbsfähigen Alter waren 2024 laut BA 51 Prozent erwerbstätig, in der Gesamtbevölkerung lag die Quote bei 77 Prozent.

Größere Betriebe haben häufiger eine SBV, und wo es eine gibt, arbeiten oft auch mehr schwerbehinderte Menschen. Ob die Vertretung dafür die Ursache ist, lässt sich nach Angaben der Autoren nicht eindeutig klären. Die befragten Betriebs- und Personalräte sehen ungenutzte Möglichkeiten sowohl bei der Beschäftigung als auch bei der Wahl von Schwerbehindertenvertretungen.

Für die Personal- und Organisationsforschung verbindet die Auswertung Fragen der betrieblichen Mitbestimmung mit der Inklusion im Arbeitsleben.

Originalmitteilung: Hans-Böckler-Stiftung (WSI), 13.10.2026: Mitteilung lesen (abgerufen 2026-10-22)