Meldung · Quelle: Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, 30.09.2026
Das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung (MPIB) in Berlin hat am 30. September 2026 eine Studie zu Karriereverläufen in der psychologischen Forschung vorgestellt. Sie ist vorab online in der Fachzeitschrift American Psychologist erschienen. Ausgewertet wurden Publikationsdaten aus der Datenbank Scopus zu 78.216 Psychologinnen und Psychologen weltweit, deren wissenschaftliche Laufbahn zwischen 2000 und 2014 begann. Als ausgeschieden galt, wer mindestens fünf Jahre lang nichts mehr veröffentlichte.
Frauen stellen inzwischen mehr als 60 Prozent derjenigen, die neu in die psychologische Forschung einsteigen. Sie bleiben im Durchschnitt aber kürzer wissenschaftlich aktiv. Auseinander gehen die Verläufe vor allem im vierten bis sechsten Jahr nach der ersten Veröffentlichung. Bis zum 13. Karrierejahr hatte etwa die Hälfte der Frauen aufgehört zu publizieren, bei Männern war dieser Punkt rund fünf Jahre später erreicht. Eng mit dem Verbleib verbunden war vor allem eine frühe Publikationstätigkeit, besonders als Erstautorin oder Erstautor. Auch unter Berücksichtigung solcher Faktoren blieb das Ausstiegsrisiko für Frauen höher. Erstautorin Xinyi Zhao hält fest: „Unsere Ergebnisse sprechen nicht für Unterschiede im wissenschaftlichen Potenzial“.
Die Ursachen lassen sich mit den Daten nicht direkt klären, weil Angaben zu Familie und Betreuung fehlen. Eine ergänzende Studie derselben Erstautorin in der Zeitschrift Higher Education, die auf einer Befragung von mehr als 8.000 Forschenden mit Kindern aus 119 Ländern beruht, deutet darauf hin, dass die Vereinbarkeit von Wissenschaft und Familie einen wesentlichen Teil erklären könnte.
Für Hochschulen und die Nachwuchsförderung lenken die Befunde den Blick auf die frühe Phase wissenschaftlicher Laufbahnen. Die Forschenden nennen Mentoring, transparente Bewertungsverfahren und eine bessere Vereinbarkeit als mögliche Ansatzpunkte.
Originalmitteilung: Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, 30.09.2026: Mitteilung lesen (abgerufen 2026-10-22)