LMU-Studie: Menschen sprechen KI weniger Bewusstsein zu als Menschen

Meldung · Quelle: Ludwig-Maximilians-Universität München, 02.10.2026

Die Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) hat am 2. Oktober 2026 eine Studie zu der Frage vorgestellt, ob und wie stark Menschen Künstlicher Intelligenz ein Bewusstsein zuschreiben. Hauptautor ist Louis Longin vom Lehrstuhl für Philosophie des Geistes, beteiligt waren unter anderem Fachleute aus der sozialen Neurowissenschaft und der Philosophie. Die Arbeit ist in der Fachzeitschrift Cognition erschienen.

An den Experimenten nahmen insgesamt 1.092 Personen teil. Eine Gruppe bekam kurze Szenarien vorgelegt, in denen KI-Akteure unterschiedlich stark auf ihre Umgebung reagierten, etwa auf Geräusche oder auf die Stimmung anderer. Die übrigen Teilnehmenden erhielten die gleichen Texte mit menschlichen Hauptfiguren. Anschließend schätzten alle ein, wie bewusst sich die jeweilige Figur ihrer Umgebung war.

Je stärker eine Figur reagierte, desto mehr Bewusstsein und Wahrnehmung wurde ihr zugeschrieben, gleich ob es sich um eine KI oder einen Menschen handelte. Beim Begriff Bewusstsein zeigte sich jedoch eine klare Trennlinie: Selbst eine KI, die sehr stark reagierte, galt als weniger bewusst als ein Mensch, der kaum reagierte. Bei Aufmerksamkeit und Wahrnehmung folgten die Urteile über KI und Menschen dagegen weitgehend demselben Muster. Nach Einschätzung der Forschenden hängt die Grenze, die Menschen zwischen KI und Menschen ziehen, damit auch von den verwendeten Begriffen ab.

Das Autorenteam weist darauf hin, dass Unternehmen und Medien KI häufig Absichten oder ein moralisches Gewissen zuschreiben, und plädiert für eine sorgfältige Wortwahl. Für Markt- und Konsumpsychologie sowie für die Kommunikation über KI-Produkte liefert die Studie Daten dazu, wie Begriffe die Wahrnehmung technischer Systeme prägen.

Originalmitteilung: Ludwig-Maximilians-Universität München, 02.10.2026: Mitteilung lesen (abgerufen 2026-10-22)