Meldung · Quelle: Institut für angewandte Arbeitswissenschaft (ifaa), 08.10.2026
Das Institut für angewandte Arbeitswissenschaft (ifaa) hat am 8. Oktober 2026 einen Faktencheck mit dem Titel „Kognitive Erosion durch KI?“ veröffentlicht. Er befasst sich damit, wie generative KI Denken, Lernen und Arbeiten verändert, und richtet den Blick besonders auf junge Generationen, die mit solchen Systemen aufwachsen. Im Mittelpunkt der Mitteilung stehen Einschätzungen der Arbeitspsychologin Nora Johanna Schüth, wissenschaftliche Mitarbeiterin am ifaa. Eine eigene Erhebung beschreibt die Mitteilung nicht, der Faktencheck wertet vorhandene Studien aus.
Unter kognitiver Erosion versteht das ifaa, dass Menschen Fähigkeiten wie Erinnern, Formulieren, Prüfen und Problemlösen seltener einsetzen, weil sie entsprechende Denkaufgaben an KI abgeben. Nach Darstellung des Instituts mindert generative KI die geistige Leistungsfähigkeit nicht von sich aus. Sie kann Produktivität und Zugang zu Wissen verbessern, aber Kompetenzen schwächen, wenn sie eigenes Denken dauerhaft ersetzt. Auch im Arbeitskontext sind die Produktivitätsgewinne begrenzt: Liegen Aufgaben jenseits der Leistungsgrenzen eines Systems, können die Ergebnisse schlechter ausfallen als ohne KI. Zudem verweist der Faktencheck auf die PISA-Ergebnisse 2025, nach denen die Leistungen 15-Jähriger in Deutschland in Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften so niedrig liegen wie nie seit Beginn der Erhebung. Diskutiert wird als Erklärung unter anderem das flüchtige Lesen kurzer Beiträge in sozialen Medien. Ob es einen ursächlichen Zusammenhang gibt, kann PISA nach Angaben des ifaa aber nicht klären.
Unternehmen empfiehlt das Institut, Datenkompetenz, Quellenbewertung und kritisches Denken zu fördern, klare Regeln für den KI-Einsatz festzulegen und Aus- und Weiterbildung gezielt zu begleiten. Begründet wird das unter anderem damit, dass KI zunehmend Tätigkeiten übernimmt, an denen Berufseinsteiger bisher gelernt haben.
Für die Arbeits- und Organisationspsychologie verbindet der Faktencheck Fragen der Kompetenzentwicklung mit der Gestaltung von Ausbildung und Einarbeitung.
Originalmitteilung: Institut für angewandte Arbeitswissenschaft (ifaa), 08.10.2026: Mitteilung lesen (abgerufen 2026-10-22)