Die Likert-Skala ist ein Verfahren der Einstellungsmessung mit Fragebogen: Befragte geben an, wie sehr sie einer Aussage zustimmen, etwa von „stimme gar nicht zu“ bis „stimme voll zu“. Eine einzelne Aussage mit diesem Antwortformat heißt Likert-Item; mehrere Items zum selben Thema bilden die eigentliche Skala, deren Werte zu einer Summe oder einem Mittelwert zusammengefasst werden. In der Wirtschaftspsychologie begegnet die Likert-Skala etwa in Mitarbeiterbefragungen, Kundenbefragungen und Trainingsbewertungen.
Herkunft und Aufbau der Likert-Skala
Rensis Likert stellte das Verfahren 1932 in „A technique for the measurement of attitudes“ vor, um Einstellungen zu messen. Die typische Form hat laut Sullivan und Artino (2013) fünf oder sieben Stufen. Wer eine Likert-Skala entwickelt, trifft mehrere Entscheidungen:
| Entscheidung | Varianten | Folge |
|---|---|---|
| Zahl der Stufen | 4, 5, 6, 7 oder mehr | mehr Stufen erlauben feinere Abstufung |
| Mittelkategorie | ungerade Zahl mit „teils, teils“ oder gerade Zahl ohne Mitte | ohne Mitte müssen sich Unentschiedene für eine Richtung entscheiden |
| Beschriftung | alle Stufen benannt oder nur die Enden | benannte Stufen legen fest, was jede Zahl bedeutet |
| Richtung der Items | alle gleich gepolt oder teils umgekehrt formuliert | umgekehrt formulierte Items werden vor dem Zusammenfassen umkodiert |
Zur Zahl der Stufen gibt es Befunde. Preston und Colman (2000) ließen 149 Personen Leistungen eines kürzlich besuchten Geschäfts oder Restaurants auf Skalen mit 2 bis 11 Stufen bewerten. Skalen mit zwei bis vier Stufen schnitten bei mehreren Kennwerten der Reliabilität, Validität und Trennschärfe schlechter ab; diese Kennwerte stiegen bis etwa sieben Stufen. Die interne Konsistenz unterschied sich zwischen den Skalen nicht, die Retest-Reliabilität nahm ab mehr als zehn Stufen eher ab. Am liebsten antworteten die Befragten auf der zehnstufigen Skala, knapp gefolgt von sieben und neun Stufen.
Auswertung: ordinal oder metrisch?
Die Zahlen 1 bis 5 geben nur eine Rangfolge wieder. Ob der Abstand zwischen „stimme eher zu“ und „stimme voll zu“ so groß ist wie der zwischen „teils, teils“ und „stimme eher zu“, ist nicht gesichert; ein einzelnes Item ist deshalb ordinal (Skalenniveau). Für die Beschreibung halten Sullivan und Artino Häufigkeiten für aussagekräftiger, als Lagemaß wird oft der Median empfohlen; ein Mittelwert kann bei gehäuften Extremantworten eine Mitte vortäuschen, die kaum jemand gewählt hat. Das Schaubild zeigt an Beispieldaten, wie weit Median, Modus und Mittelwert eines Items auseinanderliegen können.
Bei statistischen Tests ist die Lage weniger streng. Norman (2010) zeigt an Studien seit den 1930er Jahren, dass parametrische Verfahren wie Varianzanalyse, Regression oder Korrelation gegenüber Verletzungen ihrer Annahmen robust sind, auch bei Daten aus Likert-Skalen. Skalenwerte aus mehreren Items lassen sich nach diesem Forschungsstand mit parametrischen Verfahren auswerten. Ob die Items zusammengehören, prüfen Cronbachs Alpha oder eine Faktorenanalyse.
Säulendiagramm mit Beispieldaten: Antworten von 40 Personen auf ein Item mit fünf Zustimmungsstufen von 1 gleich stimme gar nicht zu bis 5 gleich stimme voll zu. Häufigkeiten: 2, 3, 11, 11, 13. Darunter die Kennwerte des Items: Median 4, Modus 5, Mittelwert 3,8. Ein Hinweis nennt den Skalenwert aus vier Items mit einem Mittelwert von 3,8 und Cronbachs Alpha von 0,88.
Likert-Skala im Studium der Wirtschaftspsychologie
Fragebogen und Ratingskalen gehören in die Fächer zu Methoden und Statistik. Diese Fächer tauchen bei 69 von 95 erfassten Anbietern laut Recherche, Stand Oktober 2026, in Studiengangsnamen, Schwerpunkten oder Modullisten auf; die Wörter Fragebogen, Befragung oder Survey stehen dort bei 6 von 95. Wie Methodenmodule aufeinander aufbauen, fasst der Ratgeber zur Statistik zusammen. Häufige Aufgaben:
- ein Item formulieren und die Antwortstufen mit oder ohne Mitte begründen
- für ein Item Häufigkeiten, Median und Modus berichten, für einen Skalenwert Mittelwert und Streuung
- umgekehrt formulierte Items umkodieren und die Reliabilität der Skala schätzen
- zwischen Likert-Item und Likert-Skala unterscheiden
In der Praxis: Befragungen in Personal und Markt
In Mitarbeiterbefragungen bilden mehrere Likert-Items ein Thema wie Zufriedenheit mit der Führung ab; ein einzelnes Item würde ein abstraktes Merkmal kaum vollständig erfassen. In der Kundenforschung bewerten Befragte Leistungen auf Zustimmungs- oder Zufriedenheitsstufen; bei Trainings erfasst das Format oft die Reaktion der Teilnehmenden, die erste Ebene im Vier-Ebenen-Modell, das der Eintrag Evaluation beschreibt. Vergleiche über Zeit oder zwischen Gruppen setzen voraus, dass Itemwortlaut, Zahl der Stufen und Beschriftung gleich bleiben. Wer nur Mittelwerte zeigt, zeigt die Verteilung nicht; Häufigkeiten je Stufe machen sichtbar, ob sich die Antworten in der Mitte oder an den Rändern sammeln.