Leistung unter Druck: Neuer Erklärungsansatz aus der Sporthochschule

Meldung · Quelle: Deutsche Sporthochschule Köln, 15.10.2026

Warum Menschen unter Druck einmal hinter ihren Möglichkeiten bleiben und ein anderes Mal besser abschneiden als gewohnt, behandelt ein theoretischer Fachartikel aus der Abteilung Leistungspsychologie der Deutschen Sporthochschule Köln. Die Hochschule hat ihn am 15.10.2026 vorgestellt; erschienen ist er in der Fachzeitschrift Trends in Cognitive Sciences. Projektleiterin ist Dr. Laura Voigt, beteiligt waren auch Forschende aus Neuseeland.

Die bisherige Forschung zum Leistungseinbruch unter Druck, im Englischen als Choking bezeichnet, untersuchte vor allem die Aufmerksamkeit, etwa ob jemand die eigenen Bewegungen beobachtet, sich ablenken lässt oder an mögliche Fehler denkt. Damit lassen sich Einbrüche beschreiben, Leistungssteigerungen dagegen kaum. Der neue Ansatz betrachtet zusätzlich, wie aufgenommene Informationen verknüpft und in Handlungen übersetzt werden. Diese Verarbeitung ordnen die Autorinnen und Autoren auf einer Spanne zwischen einfachen und komplexen Regeln ein. Entscheidend ist demnach, ob der Grad an Komplexität zur Aufgabe wie zur Person passt; unter Druck kann sich dieses Verhältnis in beide Richtungen verschieben. Versagen und außergewöhnlich gute Leistungen gehen nach diesem Modell auf Veränderungen desselben Prozesses zurück.

Weder Vereinfachung noch zusätzliche Komplexität ist nach Voigt für sich genommen von Vorteil, maßgeblich sei die Passung zur Aufgabe. Als Beispiel dient in der Mitteilung der Elfmeter: Die schießende Person kann sich auf einen einzelnen Hinweis des Trainers stützen oder mehrere Beobachtungen zum Torwart zusammenführen.

Der Artikel wertet vorhandene Befunde und Theorien aus und enthält keine eigene Datenerhebung. Die abgeleiteten Vorhersagen sollen in weiteren Studien geprüft werden. Die Beispiele stammen aus dem Sport, der Rahmen selbst ist allgemein für Leistung unter Druck formuliert. Für die Forschung eröffnet er die Möglichkeit, Leistungseinbrüche und Leistungssteigerungen mit einem gemeinsamen Modell zu untersuchen, statt sie getrennt zu erklären.

Originalmitteilung: Deutsche Sporthochschule Köln, 15.10.2026: Mitteilung lesen (abgerufen 2026-10-22)